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System Erde: E10 - Bioethanol im Kraftstoff: Nahrungskonkurrenz und Mehrverbrauch

Copyright by Michael Bockhorst Mittwoch, 29. Dezember 2010

Ab dem 1.1.2011 soll er verfügbar sein: Der Otto-Kraftstoff E10 aus bis zu 10 Prozent Bioethanol und dem Rest aus Erdölraffinerien.

Was ist eigentlich Bioethanol? Gibt es Konkurrenz mit der der Nahrungsmittelproduktion? Wie stark steigt der Spritverbrauch durch die Beimengung?

Was ist Bioethanol?

Bioethanol ist - chemisch betrachtet - Ethanol. Ethanol gehört zur Klasse der Alkohole und ist mit dem Trinkalkohl aus Bier, Wein usw. identisch.

Die Vorsilbe Bio bedeutet, dass die Grundstoffe für die Ethanolherstellung aus Biomasse gewonnen werden: Mais, Zuckerrüben, aber auch Holz oder Getreide lassen sich zu Ethanol verarbeiten.

Der erste Schritt ist die Vergärung der zuckerhaltigen Bestandteil der Rohbiomasse mit Mikroorganismen. Danach wird der Alkohol unter Wärmeeinsatz durch die Destillation abgetrennt. Alkohol hat einen Siedepunkt von ca. 78 Grad Celsius, praktisch alle anderen Bestandteile der vergorenen  Biomasse haben einen höheren Siedepunkt - Die Destillation bei ca. 85 Grad Celsius lässt nur das Ethanol verdampfen, nicht jedoch Wasser und Feststoffe. Das Ethanol wird dann aufgefangen und kann dem Kraftstoff beigemischt werden.

Konkurrenz zur Nahrungsproduktion?

Die Produktion von Biomasse setzt landwirtschaftliche Nutzflächen voraus. Auf diesen können - oftmals identische - Pflanzen sowohl für die Bioenergie- als auch für die Nahrungsmittelproduktion angepflanzt werden. Auch wenn die Nahrungsmittelproduktion nicht unbedingt gefährdet ist, zumindest in Europa, so wird über Umwege der Preis für Nahrungsmittel an den Ölpreis gekoppelt.

Steigt der Ölpreis, wird der Anbau von Biomasse für die Nutzung als Bioenergieträger lukrativer. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Nutzflächen steigt und erhöhrt die Preise für alle Produkte, die auf diesen landwirtschaftlichen Nutzflächen gewonnen werden. Auch wenn dies nicht unmittelbar zu einer substantiellen  Nahrungsknappheit führt: Es besteht die Gefahr, dass Haushalte mit geringer finanzieller Ausstattung stark von diesen Preiserhöhungen getroffen werden.

Wie steigt der Spirtverbrauch?

Im Gegensatz zu reinem erdölbasiertem Ottokraftstoff hat Ethanol etwa den halben Energieinhalt bezogen auf 1 Liter Volumen. E10 hat daher - bei einem Anteil von 10 Prozent Ethanol - einen um 5 Prozent geringeren Energieinhalt. Bei einem spezifischen Verbrauch von 10 Liter auf 100 Kilometer steigt der Spritbedarf um einen halben Liter.

Da bisher bereits bis zu 5 Prozen (Bio-)Ethanol im Ottokraftstoff (= Benzin) vorhanden sein dürfen, liegt der Mehrverbrauch bei etwa 3 Prozent. Bei den aktuellen Benzinpreisen (ca. 1,50 Euroi, Stand 12/2010) entspricht dies einer verdeckten Preiserhöhung von 4 Cent.

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