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System Erde: Dioxin - Futtermittel - Landnutzungsindustrie

Copyright by Michael Bockhorst Samstag, 08. Januar 2011

Dioxin-Funde in Lebensmitteln werfen Fragen auf: Wie sicher sind unsere Lebensmittel? aber auch: Wie wirkt sich der Run auf Biotreibstoffe aus? oder: Wie gut ist es, dass die Biokraftstoffhersteller planmäßig Rohstoffe für die Futtermittelindustrie liefern?

Dioxin - Futtermittel - Landnutzungsindustrie

Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

So lange sie als Lebensmittel bezeichnet werden, sind sie nicht sicher. Lebensmittel sind Mittel zum Zweck. Sie haben den edlen Status des Essens oder der Nahrung verloren. Lebenmittel gehören eher in die Kategorie Reinigungsmittel, Fleckentfernungsmittel oder Futtermittel. Zumindest sprachlich.

So lange wir es nicht schafffen, Nahrung auf dem kurzen Weg bereitzustellen, sind Sicherheitsmängel vorprogrammiert. Sich zunehmend weiter verzweigende Warenströme sorgen für Unsicherheit: Ausgehend von  unserem Frühstücksei führt der Weg über den Supermarkt zum Liefereanten, von diesem zum Produzenten, von diesem zum Futtermittelhersteller. Was aber davor passiert, also woraus das Futter zusammengemixt wird, wird zunehmend unübersichtlich. Was kommt zum Beispiel in eine Bioethanol-Fabrik herein? Nur sauberes Grünzeug oder vielleicht auch so manche anderen degenerierten Ausgangsstoffe.

Gefährlichen organischen Substanzen wie Dioxin oder auch Schwermetallen ist der Weg in unsere Nahrung geebnet. Nicht, dass sich die Dioxinbelastung von Nahrung irgendwie vermeiden ließe, dafür ist zuviel Dioxin in unserer Welt vorhanden. Aber eine unnötig hohe Dioxinbelastung liesse sich so vermeiden.

Biokraftstoffe - Tor zum Gift im Essen?

Nein, wenn alles sorgfältig überwacht wird - die Gesetze gibt es und sie sin sicher vernünftig gestaltet. Ja in der Praxis. Gestiegene Kraftstoff- und Nahrungspreise machen eine Techno-Landwirtschaft attraktiv. Soll der Gewinn maximiert werden, kauft man billige Grundstoffe ein. Billige Grundstoffe sind ... Abfällle oder belastete Stoffe, die am besten nicht kontrolliert werden. Eine laxe Kontrolle erhöht ihrerseits den Profit: Weniger Personal und Sachaufwand, gepart mit der geringeren Wahrscheinlichkeit, dass man auf teurere Grundstoffe zurückgreifen muss.

Und was noch viel schlimmer ist: Hohe Spritpreise sind nun ein Antrieb für hohe Nahrungspreise: Bei steigendem Ölpreis können Biokraftstoffe mit höherem Profit verkauft werden. Damit wird der Anreiz, Biokraftstoffe zu produzieren, größer. Biokraftstoffe lassen sich aber mit einem geringeren Risiko produzieren, als Nahrung: Wie die Zuckerrüben oder der Mais für den Biosprit aussehen, ist egal. Würde man die Maiskolben als Nahrung verkaufen, müssten sie schön aussehen und eine korrekte Größe besitzen. Sie müssten "marktgängig" sein. Was am Ende einer Biosprit-Fabrik herauskommt, ist ein genormtes Produkt: Rapsmethylester oder Ethanol. Das ist immer "marktgängig".

Koppelprodukte - ein netter Nebeneffekt?

Bioethanol ist ein industrielles Produkt, dessen Ausgangsstoffe auf gutem Boden gewonnen werden. Eigentlich ist es Ethanol, CH3-CH2-OH, man würde es besser als "biogenes Ethanol" bezeichnen, also Ethanol aus Biomasse.

Industrie lebt davon, dass sie Stoffe und Energie sehr effizient verwendet. In einer Erdöl-Raffinerie wird das Rohöl in verschiedenste Produkte umgewandelt und nicht wenige Bestandteile des Erdöls werden mit anderen Chemikalien zu den Endprodukten umgewandelt. Und so manches Produkt läuft auch vom einen Ende der Fabrik zum anderen, um dort mit einem anderen Erdöl-Bestandteil zu etwas neuem umgewandelt zu werden.Warum sollte die Ethanolherstellung aus Biomasse eine Ausnahme sein? Industrie ist Industrie, egal, was in die Fabrik hinein bzw. aus ihr herauskommt.

Der Bioethanolhersteller CropEnergy wirbt sogar mit solchen Koppelprodukten, die uu "hochwertigem Lebens- und Tierfuttermittel weiterverarbeitet" werden. Koppelprodukte sind damit wohl kein netter Nebeneffekt, sondern Teil des Konzepts. Allerdings müssen wir uns die abschließende Frage stellen: Wollen wir sogenannten Biosprit im Tank haben, aber unsererseits hochgradig denaturierte Lebensmittel verzehern?

Die entscheidende Frage ...

Das obige Bild soll es verdeutlichen: Wollen wir, dass Pflanzen nach mehrfacher auch technischer Umwandlung mit allen Giftstoffrisiken als denaturiertes Nahrungsmittel in unseren Mägen landen? Oder möchten wir zurück zur direkteren Bereitstellung von Nahrung, die naturnah, vielleicht etwas teurer aber viel gesünder ist?

Und ein Vorschlag zur Güte, was die (vermeintliche?) 10-%-Einsparung an Emissionen angeht: kompaktere und leichtere Autos, nur dann bewegt, wenn es wirklcih sinnvoll ist, können ohne Einschränkung der Lebensqualität 20 oder 30 Prozent Kraftstoff einsparen.

Wir müssen die Frage für uns beantworten. Wir müssen, soweit wir dies können, auch in unserem Konsumentenverhalten einfließen lassen. Wir entscheiden mit unserem Geldbeutel, was wir von wem kaufen. Das ist Basisdemokratie in ihrer mächtigsten Form. Wir stimmen jeden Tag ab. Und oft nicht nur einmal pro Tag!

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