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Energie: Biosprit ist kein Ökosprit

Copyright by Michael Bockhorst Donnerstag, 10. Februar 2011

... jedenfalls nur in den seltensten Fällen.

Bio oder Öko?

Biosprit bedeutet nicht mehr und nicht weniger folgendes: Kraftstoff, der direkt aus dem Material von Lebewesen gewonnen wird. Bio-logie ... Lehre vom Lebendigen. Bio = Leben.

Ökologie ist etwas anderes. Öko stammt ab vom griechischen Oikos, was soviel bedeutet wie Haus oder Haushalt. Ein Wohnungs-Haushalt ist ein koKorallenriffsmplexes Netz, welches von den Bewohnern, verschiedensten Dingen und ihren gegenseitigen Beeinflussungen aufgespannt wird. Die Ökologie betrachtet Haushalte in der Natur: Das Geflecht der Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und nichtbelebten Dingen.

Die Ökologie eines Korallenriffs wollen wir als Beispiel betrachten: Ein Korallenriff ist ein Teilsystem im System Erde. In ihm leben Tiere und Pflanzen. Der Boden und das Meerwasser transportieren organische und anorganische chemische Verbindungen zum Korallenriff und von ihm wieder weg. Das Sonnenlicht spendet Energie, die viele Prozesse in den Lebewesen aber auch in der unbelebten Materie antreibt. Chemische Reaktionen werden durch Sonnenlicht ermöglicht, es erwärmt das Wasser. Licht ermöglicht aber auch Kommunikation: So finden Tiere ihre Nahrung und ihre für die Fortpflanzung notwendigen Partner.

Ökosprit muss das Ziel sein

Ökosprit könnte folgendes sein: Ein Kraftstoff, der unter ohne unzulässige Veränderung eines Ökosystems gewonnen wird. Was bedeutet "unzulässige Veränderung"? Jede Veränderung, die ein bestehendes Ökosystemzerstört, sollte als unzuläassig angesehen werden. Das Abholzen des reichhaltigen und unter dem Strich stabilen Ökosystems "Tropischer Regenwald" zugunsten einer Palmölplantage kann kaum als ökologisch sinnvoll angesehen werden. Eine Palmölplantage ist bestenfalls ein monokulturelles und damit armes Ökosystem. Welches meist durch massive Eingriffe stabilisiert werden muss. Auch Bioethanol in Ottokraftstoffen führt zu einem Landverbrauch auf Kosten naturnaher Landschaften.

Ethisch korrekter Sprit?

Die ethische Dimension wird bei Biosprit nicht, bei Ökosprit nach der hier gemachten Definition kaum betrachtet. Biosprit aus Nahrungspflanzen - bei Bioethanol Getreide und Mais - steht in direkter Konkurrenz zur Bereitstellung von Nahrungsmittel, die für das Überleben des Menschen notwendig sind. Für Durchschnittsverdiener und diejenigen mit höheren finanziellen Mitteln ein geringes Problem. Für finanzielle knapp ausgestattete Haushalte ein Drama: Nahrungsmittelpreise steigen durch einen Ausbau der Verwendung von Nahrungspflanzen für die Bioethanol-Produktion.

E10-Kraftstoff, der bis zu 10 Prozent Ethanol aus Getreide, Mais und anderen Nutzpflanzen enthalten darf, ist Biosprit. Wohl kaum Ökosprit. Un schon gar nicht ethisch korrekt. Aufgrund des deutlich geringeren Energiegehalts des Ethanols entspricht der Ersatz reinen Erdölsprits durch E10 gerade einmal einer Minderung der Kohlendioxid-Emissionen um etwa 3 Prozent. Eine sparsame Fahrweise eröffnet ein Einsparpotential von 10-15 Prozent. Leichtere Autos und optimierte Motoren weitere 20-50 Prozent.

Cui Bono - Wem nutzt es?

Am Ende stellt man sich die Frage, wem die Einführung von Biosprit, etwa dem aktuell diskutierten E10, nutzt: Alte Autos werden ersetzt, weil es lästig ist, teureren reinen Erdölsprit oder E5 an den verbleibenden Tankstellen zu suchen. Die Autoindustrie freut sich. Nahrungsmittel werden teurer - die Nahrungsmittelindustrie freut sich. Wir fahren (vermeintlich) ökologischen Biosprit - wir können nun öfters fahren. Die Kraftstoffindustrie freut sich. Landwirte, durch den Preisdruck durch die Nahrungsmittelkonzerne gebeutelt, können endlich auch unansehnliche landwirtschaftliche Produkte mit langfristiger Abnahmegarantie an die Kraftstoffhersteller verkaufen. Landwirte freuen sich, weil sie endlich wieder ein sicheres Auskommen haben.

Wer wird sich nicht freuen? Wir Endkunden, die etwas billigeren Sprit tanken, dafür aber teure Nahrung kaufen müssen, immer weniger Naturlandschaften vorfinden und in der Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen keine nennenswerten Fortschritte sehen werden.

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