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Energie: E10 am Ende?

Copyright by Michael Bockhorst Freitag, 04. März 2011
Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein mit so viel Aufsehen und Aufwand eingeführter Kraftstoff eingeführt wurde. Und nicht akzeptiert wird. Eine Lektüre des Schriftstückes "Richtlinie 2009/30/EG", dessen Umsetzung sich unter anderem in der Einführung des bioethanol-versetzten E10 äußert, ist aufschlussreich.

Worum soll es es bei E10 gehen?


Um einen Kraftstoff, dessen effektive Kohlendioxid-Emissionen bezogen auf den Energieinhalt niedriger liegen sollen als bei konventionellen Otto-Kraftstoffen (= Benzin). Biokraftstoffe bieten das Potential zu einer Energieversorgung, die unter dem Strich frei von Kohlendioxid-Emissionen ist. Die Richtlinie 2009/30/EG ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die eine verstärkte Einführung von Biokraftstoffen fördern soll.

Man hat sich in großer Tiefe und Breite damit auseinandergesetzt, dass die Kohlendioxid-Emissionen wirklich reduziert werden sollen. Dazu werden Listen erstellt, welche Verfahren der Bioethanol-Herstellung welche spezifischen CO2-Emissionen freisetzen. Es wird über nachhaltige Landwirtschaft diskutiert, die für die Bereitstellung des Bioethanols eine Voraussetzung sein soll. Offensichtlich soll auch die Mineralöl-Industrie mehr oder weniger gezwungen werden, die CO2-Emissionen zu senken.

Was bei der "Biosprit-Richtlinie" wurde ausgespart?


Wenn man den Begriff "Nahrung" sucht, wird man schwerlich fündig. Nur dann, wenn nachgewiesen ist, das Nahrungsmittel durch die Einführung des Biosprits teurer werden, will man eingreifen. Dieser Nachweis ist schwerlich zu führen.

Schaut man sich die Verfechter des Biosprits an, so findet man unter ihnen nach Pressemeldungen den Vorsitzenden des Bauernverbandes. Hohe Nahrungsmittelpreise oder gar eine Nahrungsmittelverknappung erhöhen das Einkommen der Landwirtschaft. Ob dies den Bauern zugute kommt, bleibt dabei noch fraglich. Auch Claudia Kemfert vom DIW (= Deutsches Insitut für Wirtschaftsforschung) fordert die Fortführung des E10-Verkaufs. E10 ist keine bäuerliche Idylle. E10 ist ein industrielles Großprojekt.

Gefährliche Verknüpfungen


Die Rohstoffe für E10 werden auf den gleichen Flächen gewonnen, wie Nahrung. Gerste, Weizen, Mais, die zu Biosprit verarbeitet werden, könnten sogar direkt als Nahrung dienen oder als Futtermittel für Tiere, die wiederum Nahrungsmittel sind. Der Marktpreis für Bioethanol ist wiederum abhängig vom Ölpreis.

Steigender Ölpreis → steigender E10-Marktpreis → steigende Lebensmittelpreise

Und das der Ölpreis steigt, ist eine der wenigen Prognosen, die zuverlässig sind.

Mit einer massiven Einführung des E10-Bio-Benzins und die in der gleichen Richtlinie behandelte Einführung von B10 (= 10-%ige Biokraftstoff-Beimengung im Diesel) würden die Lebensmittelpreise deutlich an die Preisentwicklung des Ölpreises angekoppelt.

Gerade weniger finanzkräftige Haushalte sind - sofern sie mit Heizöl heizen - schon heute gekniffen: Der Heizölpreis ist in den letzten 7 Jahren von etwa 0,20 Euro pro Liter auf derzeit 0,85 Euro pro Liter gestiegen. Bei 3000 Liter Jahresverbrauch sind das Mehrkosten von etwa 2000 Euro pro Jahr oder 160 Euro pro Monat! Wenn nun Lebensmittel in ähnlichem Maße teurer werden, kommen Mehrkosten von einigen 1000 Euro pro Jahr auf diese Haushalte zu. Die derzeitige Lohnentwicklung steht dem entgegen: Die Real-Nettolöhne sinken seit Jahren durch eine schleichende Geldentwertung durch steigende Energiekosten, aber auch durch langsam steigende Lebensmittelkosten.

E10 ist keine Lösung - zu geringer Wirkungsgrad, zu großer Flächenverbrauch


Im günstigsten Fall wird man Netto ca. 250 Milliliter Bioethanol pro Quadratmeter Landfläche gewinnen können. Diese ersetzen wiederum 125 Milliliter Benzin.

Betrachten wir im Vergleich dazu die Ausbeute eines Solarmoduls: In Deutschland erzeugt ein Quadratmeter Photovoltaikmodul in einem Jahr etwa 150 Kilowattstunden elektrischen Stroms. Könnten wir nur ein Zehntel dieses Stroms mit einem elektrochemischen Verfahren in Benzin umwandeln, würde diese Fläche 1500 Milliliter Benzin pro Jahr bereitstellen: 12-mal mehr als bei der landwirtschafts-industriellen Produktion von Bioethanol! Und dies zum Beispiel auf Dachflächen, die ansonsten (energetisch) ungenutzt bleiben würden.

Hier stellt sich die Frage, warum hochkomplexe EU-Richtlinien zwar die Einführung eines mehr als zweifelhaften Erdöl-Ersatzes bis ins kleinste Detail regeln wollen ... aber sinnvolle Energieforschung auf der Strecke bleibt: Die technische Umwandlung des Sonnenlichts in Kraftstoffe, die bereits bestehende Infrastruktur in Betrieb halten können!

Quellen im WWW

"Biosprit-Richlinie der EU" 2009/30/EG (PDF, ca. 2 MByte)

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