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System Erde: Die nicht geführte Bioenergie-Diskussion - E10 als Anlass, nicht Ursache!

Copyright by Michael Bockhorst Mittwoch, 09. März 2011
Bioenergie ist schick. Bioenergie ist gut. Bioenergie wird uns retten. Mitnichten! Bioenergie kann zu einem Problem werden, dass uns schneller den Garaus macht als der menschgemachte Klimawandel!

In Deutschland wurden im Jahr 2010  ca. 2 150 000 Hektar Ackerflächen für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen, vorwiegend Bioenergie-Rohstoffe, verwendet. Mit dieser Zahl kann niemand etwas anfangen. Klingt viel, ist aber vielleicht wenig.

Wir versuchen nun, ein Gefühl für diese Zahl zu entwickeln: Wie hoch ist der Anteil der Bioenergie-Äcker an Deutschlands Gesamtfläche? Deutschland hat eine Fläche von ca. 356 000 Quadratkilometern. Die oben genannte Fläche, in Quadratkilometer umgerechnet, beträgt 21 500 Quadratkilometer und hat einen Anteil von immerhin 7 Prozent an Deutschlands Gesamtfläche.

Klingt vertretbar. Aber wir haben einen Fehler gemacht: Wie groß sind die gesamten als Ackerland genutzten Flächen in Deutschland?  Wenn man davon ausgeht, dass etwa 50 Prozent Deutschlands aus Acker- und Weideflächen bestehen, wird ein Anteil von etwa 14 Prozent für nachwachsende Rohstoffe, vorwiegend Bioenergie-Gewinnung genutzt. Steigende Tendenz. Nachhaltige Landwirtschaft rückt zusehends in weitere Ferne: Denn diese Form der Landwirtschaft ist extensiv, benötigt Flächen und keine Hochertragsstrategien.

Die Zeichen stehen auf Sturm - der Name Biosprit ist irreführend: Agrosprit ist besser. Agroindustrieller Kraftstoff ist noch besser. Industrielle Prozesse setzen hohe Effizienz voraus. Monokulturen, der Einsatz von optimierten Pflanzen/Düngern/Schädlingsbekämpfungmitteln und belastende Bearbeitung der Böden sind die zwangsläufige Folge. Das ist das genaue Gegenteil einer nachhaltigen Landwirtschaft. Und diese Bearbeitungsweise wird auf die Böden für die Nahrungsmittel ausgedehnt werden (müssen). Denn der Bioenergie-Anbau verdrängt - mindestens - den nachhaltigen Anbau wertvoller Nahrungsmittel, die auf Qualität optimiert sind.

Dass nahezu alle Medien und Parteien sich nahezu ausschließlich darauf stürzen, dass die Einführung des E10-Kraftstoffs ein Informationsdesaster sei, ist nicht verständlich. Hier scheint die Angst um die Motoren des ach so heilgen Blechles (= Autos) größer zu sein als der Gedanke an die Folgen eines Bioenergie-Wahns, der sich abzeichnet! Abe rman unterschätze den Bürger nicht: Vielleicht steht noch die Angst um die Investition Auto - für viele Voraussetzung für den Gelderwerb - im Vordergrund. Aber in vielen Diskussionen äußern Bürger, dass sie kein "Essen in den Tank" füllen würden.

Ist der Bürger vielleicht viel weiter als die regierende und opponierende Kaste der Politiker? Schlauer als die Presse? Treibt der mündig werdende Bürger vielleicht sogar den Wirtschaftbossen Schweiß auf die Stirn? Unser heutiges System ist auf Konsum ausgelegt. Jagt nach dem niedrigsten Preis, nach dem höchsten Profit. Aber die Ersten kommen zur Besinnung. Konsum wird teuer, dann aufwendig, dann unangenehm: Womit verbringen wir unsere Lebenszeit zunehmend? Mit Mobilität ohne Verstand, mit Preisvergleichen ohne Maß, mit dem Auswählen, welche der vielen Optionen wir wählen könnten. Was bleibt auf der Strecke? - Genau, jenes, was wir mit dem Aufwand erreichen wollten.

Es geht nicht um Konsumverweigerung aus ideologischen Gründen. Es geht vielmehr um eine Einschränkung des Konsums mit dem Zweck, das geistige Überleben zu sichern.

Wo bleibt der nicht durch Scheuklappen eingeschränkte Blick einer freien Presse? Wo bleibt der investigative Journalismus, der die Hintergründe der heutigen industriellen Biokraftstoffgewinnung aufdeckt, verständlich darstellt und dem Befinden der Bürger eine Stimme gibt? Ganz ohne ideologische Vorbelastung.


 

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