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System Erde: Niederschlagsmenge, Niederschlagsmuster und Verdunstung

Copyright by Michael Bockhorst Montag, 01. Juni 2009
Ökosysteme sind komplexe Systeme, in denen viele Faktoren zum Funktionieren des Gesamtergebnis beitragen. Das gilt besonders für Stoffströme, hier am Beispiel des Wassers.

Besonders in Deutschland bleiben die Niederschlagsmengen im Jahresschnitt noch relativ stabil. Es gibt trockenere und feuchtere Jahre, aber die Schwankungen der jährlich fallenden Niederschläge liegen gerade einmal bei ca. 10 Prozent.

Niederschlagsmenge und Niederschlagsmuster

Die Niederschlagsmuster beschreiben die zeitliche und räumliche Verteilung der Niederschläge. Diese Muster sind viel schwieriger zu erfassen als die jährliche Menge es Niederschlags. Dabei sind die Muster viel bedeutender für Ökosysteme. Für alle Pflanzen und Tiere ist Wasser die Lebensgrundlage. Und sie benötigen ausreichende Mengen an Wasser zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten.

Wenn sich räumliche Niederschlagsmuster ändern, können Tiere dem Wasser hinterherwandern, Pflanzen nicht. Eine einjährige Pflanze kann sich binnen weniger Jahre immer dort einnisten, wo das Wasser ist, Bäume und Wälder brauchen Jahrzehnte, um sich in wasserreiche Gegenden auszubreiten.

Wenn sich zeitliche Niederschlagsmuster ändern, haben alle ein gemeinsames Problem. Für Tiere ist zeitweise kein ausreichendes Trinkwasser mehr vorhanden. Für Planzen kommen die Niederschhläge zur falschen Zeit. Was nutzt es einem Sommergetreide, wenn es im Herbst viel regnet, aber der Boden in der Wachstumsphase knochentrocken ist?

Alleine diese skizzenartigen Betrachtungen zeigen, daß es längst überfällig ist, die Muster im System Erde zu betrachten und nicht mehr die Mittelwerte als Maß aller Dinge anzusehen. Es ist augenfällig, daß sich selbst in Deutschland viele Niederschlagsmuster geändert haben. Nicht nur Landwirten, die auf Gedeih und Verderb von der richtigen Regenmenge zur richtigen Zeit abhängig sind, fallen diese Änderungen auf: Längere regionale Trockenheiten, eine höhere Zahl von Starkniederschlägen.

Niederschlagsmenge und Verdunstung

Die Niederschlagsmenge ist für die meisten Lebewesen vollkommen uninteressant. Ein Tier kann überleben, wenn es ausreichend Wasser in Flüssen, Seen oder Wasserlöchern findet. Eine Pflanze kann überleben, wenn sie genügend Wasser aus dem Boden ziehen kann. Wieviel Frischwasser auf der Oberfläche oder wieviel Wasser im Boden verfügbar ist, ist der springende Punkt.

Höhere Temperaturen und trockene Luft sorgen für eine höhere Verdunstung. Bei gleichen Niederschlagsmengen sinkt die Menge des verfügbaren Wassers schnell unter den Wert, an dem ein Ökosystem in der bisherigen Weise weitermachen kann.

Wasserreiches Land Norwegen (Foto und © by M Bockhorst)

Wasserreiches Land Norwegen. Das Bild zeigt die verschiedenen Formen, in denen Wasser auf der Erde vorkommt: Wolken und Wasserdampf in der Luft, Meerwasser und Eis/Schnee auf den Bergen (Foto und © by M Bockhorst)

Die Muster zählen, nicht die Jahresendabrechnung des Wassereintrags

Ökosysteme sind nie stabil, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie wir es oft empfinden. Ökosysteme zeichnen sich gerade dadurch aus, daß sie sich in stetem Wandel befinden, aber dennoch verschiedensten Lebewesen ein langfristiges Auskommen sichern.

Die gesamte Klimadebatte wird derzeit an den Temperaturkurven festgemacht. Aber die Temperaturänderungen, die für sich betrachtet marginal sind, verschleiern die dramatischen Auswirkungen durch räumliche und zeitliche Änderungen der Temperaturen an verschiedenen Orten. Zum einen sind diese Temperaturänderungen regional viel stärker, zum anderen sind ihre Auswirkungen oftmals nichtlinear. Dies gilt besonders für die Verdunstungsrate. Diese steigt exponentiell mit der Temperatur. Dort spielen schon geringe Änderungen eine große Rolle.

Wasser ist Leben, und mit dieser Lebensgrundlage sollten wir nicht spielen. Weder direkt, noch indirekt. Eine Betrachtung der Muster - viele nehmen Änderungen der Niederschlagsverteilung wahr - ist die beste Warnung, der beste Hinweis, mehr Augenmaß walten zu lassen: Wie wir mit dem System Erde, unserem Lebenserhaltungssystem, umgehen!

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