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System Erde: Konsum oder Konsumismus?

Copyright by Michael Bockhorst Donnerstag, 14. Januar 2010
Was ist Konsum, was "Konsumismus"? Im Konsumismus wird Konsum zur Ideologie erhoben.
Der Mensch ist als Konsument angelegt. Im ureigensten biologischen Sinne. Wir sind auf Nahrung angewiesen. Menschen können keine Photosynthese betreiben und sich so vom Sonnenlicht ernähren.

Pflanzen können dies hingegen. Sie werden in der Biologie als Produzenten bezeichnet, weil sie Biomasse aus Sonnenlicht herstellen können. Diese Biomasse dient uns Konsumenten als Nahrung und enthält Kohlehydrate, Proteine, Fette und andere für uns lebensnotwendige chemische Verbindungen.

Und wenn unser Körper Proteinen verlangt, wird auch einmal ein anderer Konsument - im biologischen Sinne - verspeist. Schließlich sind auch Rinder, Schweine, Hühner, Lachs und Garnele Konsumenten.

Eigentlich sind sogar die Pflanzen, streng genommen, Konsumenten. Sie konsumieren das Sonnenlicht der Erde, um ihren Organismus am Laufen zu halten. Der eigentliche Produzent ist unsere Sonne, deren LIcht auf unseren Planeten gelangt.

Wenn wir schon auf die Rolle des Konsumenten festgelegt sind, steht nur noch die Frage im Raum, wieviel Konsum wir betreiben sollen. Der Minimalkonsum ist durch unseren Nahrungsbedarf sowie den Bedarf an Kleidung und Behausung festgelegt. Ohne diese Hilfsmittel gibt es kein Überleben.

Wir in Deutschland und anderen industrialisierten Staaten betreiben derzeit jedoch einen Konsum, der weit über diesen Minimalbedarf hinausgeht. In Deutschland benötigen wir ca. 8000 Kilojoule täglich an Energie in Form von Nahrung. Wir setzen aber mehr als 400000 Kilojoule an technischer Energie ein - als Energie, in Form von Produkten (auch Nahrungsmitteln!) und Dienstleistungen.

Unser Körper "läuft" also mit einem 50stel der Energiemenge, deren Einsatz wir durch unsere Lebensweise verursachen. Wo liegt dann das Problem? Der Energiefaktor von 50 zwischen Nahrungsbedarf und technischem Energiebedarf ist zunächst kein Problem. Das Problem besteht darin, wie wir Energie nutzen.

Der Löwenanteil der Energie wird heute durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe bereitgestellt. Einerseits sind die Vorräte fossiler Brennstoffe begrenzt, andererseits verursacht ihre Förderung, Verarbeitung und Nutzung vielfältige Auswirkungen auf das System Erde. Schadstoff-Emissionen, Treibhausgase, Vernichtung von Lebensräumen sind einige Beispiele für solche Auswirkungen.

Konsum sollte ein Werkzeug sein: Ein Werkzeug zum Überleben und zufriedenem Leben. Die Meßlatte für Erfolg darf nicht die Menge des Konsums sein, sondern das Maß an Zufriedenheit. Zufriedenheit ist allerdings etwas höchst individuelles. Sie ist nicht so ohne weiteres in eine Zahl zu fassen.

Wir messen immer noch das Bruttoinlandsprodukt, um unseren Wohlstand zu bestimmen. Dieser Wohlstand ist aber geprägt von materiellem Wohlstand, nicht von einem ganzheitlichen Wohlstand. Wir sollten schleunigst neue Maßzahlen suchen, etwa eine Bruttoinlandszufriedenheit. Der Staat Bhutan hat eine solche Bewertung in Form des Bruttonationalglücks (GNH, Gross National Happyness) eingeführt.

Eine Bruttonationalzufriedenheit würde durch subjektives Empfinden beschrieben. Dieses gibt Antworten auf Fragen der folgenden Art: Wie groß sind meine Ängste vor dem Mangel an Nahrung, Wohnung, Gesundheitsvorsorge? Oder: Wieviel Freiheit empfinde ich bei der Gestaltung meines Lebens? Antworten auf solche Fragen sind hochgradig subjektiv. Aber geht es nicht um das Wohlbefinden der Subjekte? Zumindest sollte es darum gehen.

Eine Kritik an der Maßzahl "Bruttoinlandszufriedenheit", die beispielsweise durch Befragung aller Bürger erhoben werden kann, liegt auf der Hand: Sie ist subjektiv und ihre Aussagekraft sei dadurch stark eingeschränkt.

Dem kann man aber entgegenhalten, dass das "klassische" Bruttoinlandsprodukt von sehr beschränkter Aussagefähigkeit ist. Was bedeutet ein steigendes Bruttoinlandsprodukt? Das es uns allen besser geht?

  • Das es uns allen besser geht ... ?
    Mitnichten. Das Bruttoinlandsprodukt sagt nichts über die Verteilung des Konsums von Ressourcen aus.
  • Das es uns allen besser geht ... ?
    Mitnichten. Das Bruttoinlandsprodukt sagt nichts darüber aus, warum mehr Produkte oder Dienstleistungen geschaffen wurden.

Das Starren auf Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt oder das Jahresgehalt als Maß für den Wohlstand führt schnell dazu, daß Konsum zum Selbstzweck erhoben wird. Konsum als Selbstzweck, als übersteigerter Wert ist Konsumismus. Konsumismus kann nicht zu einem ganzheitlichen Wohlstand führen. Konsumismus führt zu einem Konsumzwang, zum steten Hinterherlaufen nach Geld und Zeit, um mit diesem Geld zu konsumieren. Durch den erhöhten Ressourcenverbrauch wird das System Erde zunehmend verändert: Umwandlung von Landflächen durch industrielle Nutzung, Auswirkungen von Emissionen. Aber auch wir ändern uns: Die Organisation des Konsums wird aufwendiger, erfordert mehr Grips und mehr Zeit.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist, dass diese Erkenntnis sich zunehmend in der Diskussion wiederfinden wird. Aus dieser Erkenntnis dürfte in den nächsten Jahren auch ein Handeln erwachsen. Bei Bürgern und Politikern, aber auch in den Unternehmen. Daher: Konsum ist notwendig und kann unser Leben bereichern. Konsumismus ist ein Irrweg, wie alle -ismen.

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