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Energie: Green IS statt Green IT!

Copyright by Michael Bockhorst Mittwoch, 20. Januar 2010

Green IT alleine ist nur der kleinere Teil der Lösung. Green IS, Green Information Service, ist der bessere Weg.

Gruene Tastatur als Symbol fuer Green IT

Green IT heute

Heite ist Green IT eine Sache von Investitionen: In neue Server, in neue Desktop-Systeme. Aber wie sinnvoll ist es, einen Server, der gerade einmal 2 Jahre alt ist, durch ein neues System zu ersetzen?

Oder soll ein kleines Unternehmen, welches 2 Server und 15 Desktop-PCs betreibt, 30000 Euro in die Hand nehmen, um auf ein neues sparsames System aus virtualisierten Servern und terminalbasierten Desktop-Arbeitsplätzen umzusteigen?

An vielen Stellen besteht die Gefahr, durch die blinde Anschaffung prinzipielle effizienterer Systeme an anderer Stelle mehr Komplexität zu schaffen. Auch diese Komplexität braucht Energie. Energie im Sinne menschlichen Einsatzes, neue Dinge zu lernen, um alte Abläufe weiter betreiben zu können. Dazu kommt konkreter Energieeinsatz für die Anreise zu notwendigen Schulungen, die Herstellung von Schulungsunterlagen, usw.

Green Information Service

Die erste Frage sollte die sein: Welchen Informationsservice benötigen wir in einem Unternehmen oder einer Institution? Schauen wir uns ein internes Telefonverzeichnis für verschiedene Organisationen an:

  • Zimmereibetrieb mit 20 Mitarbeitern:
    Hier reicht i.A. ein ausgedrucktes Blatt Papier mit einer ordentlichen Tabelle der Telefonnummern an den Telefonen aus.
  • International arbeitendes Unternehmen, Zweigstelle mit 10 Mitarbeitern:
    Zweigstellen müssen häufig Kontakte zu verschiedenen Mitarbeitern des Stammsitzes oder anderer Zweigstellen aufnehmen. Bei größeren Unternehmen gibt es i.A. eine stärkere Fluktuation, aber die Umbestzung von Arbeitsstellen und der damit verbundenen Funktionen findet entfernt statt.
    Hier ist ein zentrales, datenbankgestütztes Telefonverzeichnis für die interne Kommunikation notwendig. Nur so kann das Telefonverzeichnis auf dem aktuellen Stand gehalten werden und die Informationen können über Suchanfragen recherchiert werden.

Die Aufbereitung von Informationen und deren Transport muss nicht zwingend durch computergestützte Infomationstechnik geleistet werden. Es geht auch in vielen Fällen ohne Computer.

Dazu bedenke man, dass Papier als Informationsträger wesentliche Vorteile gegenüber Computern hat: Die Daten sind bei grellem Sonnenlicht problemlos lesbar und das ohne Strom und Passwort!

Informationsdienstleistung im Zentrum

Der erste Schritt ist die Erfassung der Informationsdienstleistung, die sich aus dem Bedarf an Informationsspeicherung und Informationsübermittlung orientiert.
Der zweite Schritt ist die Methode, wie diese Informationsdienstleistung realisiert wird.

Nahzu alle Arten Informationsdienstleistungen können mit Computern durchgeführt werden. Aber der Einsatz von Computern ist - im Gesamtsystem Informationsdienstleistung - nicht immer der sinnvollste Weg.

Alle Datensammlungen, auf die selten zugegriffen wird und für die es verantwortliche Mitarbeiter gibt, sind nicht unbedingt die ersten Dinge, die ein Betrieb per Computer "optimieren" sollte. Liegen Dokumente in Papierform vor - etwa Verträge - müssen diese erst eingescannt, verschlagwortet und die eingegebenen Daten sorgfältig kontrolliert werden. Das muß aber dann für alle Vertragsdokumente durchgeführt werden.
An dieser Stelle kommt es darauf an,

  • wie oft,
  • auf wieviele Vertragsunterlagen
  • von wievielen Personen
  • an wievielen unterschiedlichen Standorten
  • wie schnell

zugegriffen werden muss.

Ein Zimmereibetrieb, der 30 Lieferverträge für Holz, Verbindungssysteme und Werkzeuge hat, und seine Lieferanten selten wechselt, wird mit drei Aktenordnern auskommen.

Ein kleinerer Hersteller von komplexen elektronischen Geräten muss unter Umständen mehrere hundert Verträge konrollieren, die sich häufiger ändern: Gehäusebauteile, verschiedenste elektronische Bauelemente wie Halbleiter, Widerstände, Transformatoren, Computerchips, Kabel, etc. Der Elektronikmarkt ist immer in Bewegung, also werden auch Lieferanten häufiger gewechselt. Als kleiner Hersteller kann er sich nicht alle Bauteile für alle Eventualitäten in sein Lager legen. Besteht ein Mangel an bestimmten Bauteilen, muss zügig für Nachschub gesorgt werden. Hier ist auch eine schneller Zugriff auf aktuelle Vertragsinformationen durch den Produktionsleiter im Werk und den Einkäufer im Verwaltungsbereich notwendig.
Dann ist eine elektronische Vertragsdaten-Ablage ein sehr hilfreiches Werkzeug.

Wenn mit Computer, dann wie?

Bleiben wir bei dem Beispiel der Vertragsdatenablage:

Geht es nur darum, die eingescannten Vertragsdaten an verschiedenen Orten einsehen zu können und reichen einige Informationen zu Vertragslaufzeit, Kosten etc. aus? Vielleicht reicht eine einfache Konstruktion aus

  • einem Verzeichnisbaum, in dem die eingescannten Vertragsunterlagen liegen und
  • einer Tabelle mit ausgewählten Metainformationen zu den Verträgen und einem Verweis auf das Verzeichnis mit den Vertragsunterlagen.

Dazu braucht man keinen neuen Server, keine neue Software und kein Training der Mitarbeiter für neue Systeme. Der bestehende zentrale Dateiserver stellt Platz für die Datenablage zur Verfügung, die dort abgelegte Tabelle macht den Datenbestand recherchierbar.

Eine Vertragsmanagement-Software kann aber auch ein wertvolles Werkzeug sein, zum Beispiel dann, wenn ein Unternehmen sehr viele Verträge macht, die wiederum leicht veränderte Folgeverträge nach sich ziehen. Beispiel Unternehmensberatung: Wenn 10 Berater pro Jahr je 40 einwöchige Beratungsprojekte durchführen, kommen pro Jahr 400 Verträge hinzu. Nach 10 Jahren sind dies 4000 Verträge, die sich per Datentabelle und Verzeichnisbaum nicht mehr bändigen lassen.

Warum Green IT dennoch wichtig ist ...

Green IT ist immer dann realisiert, wenn Computersysteme und Netzwerkkomponenten

  • generell für einen energiesparenden Betrieb ausgelegt sind,
  • eine lange Lebensdauer bei hoher Qualität der Leistung haben,
  • möglichst weitgehend und gleichmäßig ausgelastet sind,
  • mit möglichst geringen Umweltbelastungen hergestellt wurden.

Wenn der Einsatz von IT-Technik wirklich hilfreich ist.

Neuere Entwicklungen sind

  • Energiesparende Desktop- und Serversysteme, die immerhin 10-30 Prozent Strom bei gleicher Leistungsfähigkeit einsparen. Besonders bei Servern zusätzlich Kosten für die Raumklimatisierung eingespart!
  • Der Einsatz von (energiesparenden) Notbooks auch am Desktop-Arbeitsplatz - etwa 50 Prozent Einsparpotential im Vergleich zum klassischen Desktop-Rechner.
  • Die Server-Virtualisierung, die bei der Virtualisierung einer nennenswerten Anzahl von Servern zu einer Einsparung von 20-70 Prozent führen kann. Besonders die Zusammenfassung vieler Server, deren Services selten genutzt werden, bietet ein hohes Einsparpotential.

Ist eine Neuerung an der IT-Infrastruktur in einem Unternehmen oder einer Institution sowieso fällig, ist es sinnvoll, sich über Einsparmöglichkeiten zu informieren.

Green IT - Denken im System

Entwicklungen, die derzeit nicht in der Diskussion wiederfinden, betreffen

  • Einsatz leistungsschwächerer, deutlich sparsamerer Systeme, die aber für die gestellten Aufgaben vollkommen ausreichen - hier ist eine Einsparung von 50 Prozent leicht zu erzielen.
  • Angemessene Reduzierung von Datenmengen - sowohl bei der Speicherung wie auch beim Datentransfer. Bei Textdokumenten reicht eine Auflösung von 150 Pixel pro Zoll vollkommen aus - bei 600 Pixel pro Zoll Auflösung ist die anfallende Datenmenge etwa 16 mal größer bei praktisch gleicher Lesbarkeit, also Funktionalität!

Geringere Datenmengen verringern den Bedarf an Speicherplatz und nutzen die Bandbreite bestehender 100 Mbit Netzwerke besser aus. Ein größerer Datenspeicher und ein Gbit-Netzwerk benötigen mehr Energie. Gerade das letzte Beispiel der unterschiedlichen Scan-Auflösungen für Dokumente führt folgendes vor Augen: Durch den sinnvollen Umgang mit IT-Systemen kann man den Umstieg auf schnellere und damit energiehungrigere Systeme vermeiden. Ein Dokument mit 150 Pixel pro Zoll ist 16 mal kleiner als das mit hoher Auflösung gescannte. Es wird 16mal schneller übermittelt, die Software zum Anschauen des Dokumentes muss nur 1/16 der Daten verarbeiten. Und man kann auch einmal ein 10-Setien-Dokument als Email-Anhang versenden - ohne den Mailserver des Empfängers lahmzulegen!

Weitere Infos auf www.energieinfo.de

Die Betrachtung von Energie geschieht häufig auf eine unzulängliche Weise. Es geht darum, ob man Gas, Öl oder Strom zum Heizen verwenden soll. Aber eigentlich wollen wir in unserer Wohnung oder unserem Büro einfach nur angenehme Temperaturen haben. Sonst nichts. Das, was Energie für uns leisten kann, sollte im Vordergrund stehen. Das, was IT-Systeme für uns leisten können, sollte im Vordergrund stehen.

Lesen Sie zum Thema Energiedienstleistungen auch den entsprechenden Artikel im Energielexikon dieser Website.

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ein Kommentar

Gibt es Green-IT wirklich oder ist es vielleicht nur ein weiterer Vertriebsargument? Diese Frage sollte sich jeder stellen. Meiner Meinung nach ist eine Veränderung in der IT Branche ein normaler Zyklus wie in jeder anderer Branche auch. Viele Technologien wie z. B. die Virtualisierung gab es schon vor Green-IT und das diese so erfolgreich ist hat eigentlich nichts mit der Umwelt zu tun, sondern mit geringeren Kosten für Support, Strom etc. In Zukunft gibt es vielleicht auch eine Green Waschmaschine oder Green TV? Jeder erwartet schließlich von einer neuen Waschmaschine das die weniger Strom und Wasser verbraucht :)
Paul (URL) - Donnerstag, 28. Januar 2010


 

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