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Energie-Produkte: Wie sparsam sind LCD-Fernseher wirklich?

Copyright by Michael Bockhorst Donnerstag, 11. Februar 2010
Die meisten der verkauften Flachbild-Fernseher sind LCD-Fernseher. Sie werden uns als prinzipiell sparsam angeboten. Dies stimmt aber nicht. Denn das LCD-Prinzip ist ein Licht-Vernichter ersten Ranges!

Ein moderner Flachbildfernseher ist vielleicht sparsamer als ein Röhren-Farbfernseher aus dem Jahre 1970. Aber ein Röhrenfernseher der letzten Generation begnügte sich mit etwa 60 Watt im Gegensatz zu etwa 100 Watt für einen LCD-Fernseher der sparsamsten Generation mit gleicher Fläche.

Das Funktionsprinzip von LCD-Bildschirmen

LCD-Fernseher haben einen prinzipiellen Nachteil: Der LCD-Bildschirm ist eine Anordnung von einigen Millionen kleiner Fensterchen, die - je nachdem, welches Bild angezeigt werden soll - mehr oder weniger geöffnet werden. Dabei variieren Flüssigkristalle die Durchlässigkeit der kleinen Fensterchen. Die Farbe entsteht, weil es für die drei Grundfarben pro Bildpunkt drei einzelne Fensterchen gibt. Jedes dieser Fensterchen besitzt einen Farbfilter in Rot, Grün und Blau

Im Betrieb werden diese kleinen Fenster durch eine Lichtquelle beleuchtet, die sich hinter dem sogenannten LCD-Panel befindet. Dazu dienen Leuchtstoffröhren oder Leuchtdioden. Das Licht wird durch optische Bauelemente wie Lichtleit-Folien oder Diffusoren möglichst gleichmäßig verteilt. Dabei wird das Licht mit einem hohen Wirkungsgrad erzeugt. Er liegt bei etwa 15 Prozent.

Warum dunkle Bilder genausoviel Strom brauchen wie helle Bilder

Stellen wir uns eine nächtliche Szene in einem Tatort oder eine Weltraumszene in einem Science Fiction Film vor: Der Bildschirm ist dunkel, nur die Umrisse eines Gangsters sind schemenhaft erkennbar. Oder ein weit entferntes Raumschiff vor einem Sternenhimmel. Wir erinnern uns, dass nur die "Fensterchen" geöffnet sind, die helle Bildpunkte darstellen sollen. Dennoch muss die Hintergrundbeleuchtung des LCD-Fernsehers die gesamte Fläche ausleuchten, um Gangster-Umrisse oder Sterne mit hoher Helligkeit zu hinterleuchten. Der Energiebedarf sinkt also nicht, wenn dunkle Bilder gezeigt werden. Besonders aufwändige Fernsehgeräte können die Helligkeit zwar dynamisch anpassen und damit etwas Energie sparen. Aber der LCD-Fernseher stellt Bilder dar, indem er eine helle Fläches gezielt abschattet um ein Bild zu erzeugen.

Aktive Displays bieten ein höheres Sparpotential

Ganz anders die gute alte Röhre: Hier schreibt ein Elektronenstrahl das Bild auf den Schirm. Die Stromstärke des Elektronenstrahls bestimmt dabei, wie hell ein Bildpunkt erscheint. Je heller ein Bild ist, desto höher steigt der Leistungsbedarf des Gerätes. Die Übertragung eines Wintersport-Ereignisses wird pro Stunde höhere Stromkosten verursachen, als eine Stunde des Science-Fiction-Klassikers "2001 - A Space Odyssey". Gleiches gilt um übrigen auch für Plasmafernseher.

Würden Röhren- oder Plasmafernseher ebenso auf Sparsamkeit getrimmt wie heutige LCD-Fernseher, wären sie mindestens so effizient wie die LCD-Fernseher. Dazu käme dann gratis der deutlich bessere Schwarzwert dazu: Schwarzer Weltraum statt dunkelgrauer Pseudoraum.

Die Zukunft der Fernseher

Die Zukunft der Fernsehtechnik liegt auf der Hand: Leuchtdioden als aktive Bildpunkte. Sie sind seit 10 Jahren der Standard für Großbildschirme für Veranstaltungen und Werbung. Einzig ihre Verbreitung in Haushalten dürfte eher homöopathischer Natur sein. Die 4000 Euro für den 11-zölligen (knapp 30 cm) messenden SONY-Fernseher mit OLED-Technik können sich viele nicht leisten, kaum einer will es.

Wer aber einmal ein solches Display gesehen hat, wird eines feststellen: Diese Fernsehtechnik ist dem Mainstream der LCD-Fernseher haushoch überlegen. Beste LCD-Displays kommen an die Farbdarstellung heran. Spätestens beim Kontrast und dem damit verbundenen Schwarzwert ist die OLED-Technik das Non-Plus-Ultra.

Und wie sieht es mit dem Stromverbrauch aus?

Der hängt auch bei OLED-Displays davon ab, welche Filme man gerne anschaut. Aber er wird mindestens um einen Faktor 5-10 sinken: LCD-Fernseher schlucken selbst bei vollständig weißem Bild etwa 90 Prozent des Lichtes, welches für die Hintergrundbeleuchtung erzeugt wird: Durch die Lichtverteilung, die Aufteilung auf drei Pixel und die Farbfilter.

Eines wird aber bleiben: Der Stromverbrauch steigt proportional zur Fläche oder quadratisch mit der Bildschirmdiagonale! Hier kann die Verwendung zweier Fernsehgeräte Abhilfe schaffen. Das ist das Thema des nächsten Artikels in der Sparte Energie-Produkte!

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