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Energie: Stromspeicherung - auf Umwegen zum Ziel

Copyright by Michael Bockhorst Mittwoch, 07. April 2010
Sollten elektrische Nachtspeicheröfen wirklich verboten werden? Kann man in Kühlhäusern Strom speichern? Kann man mit Druckluft fahren?

Nachtspeicheröfen - ein Reizthema

Mit Strom heizen? Das macht man doch nicht! Und wenn das Strom-Thema bei Nachtspeicheröfen nicht zieht, dann entrüstet man sich über die asbesthaltigen Innereien dieser Heizungen. Das Asbest ist ein wirkliches Problem, die Tatsache, dass man mit Strom heizt, ist es nicht.

In der Diskussion um den Einsatz erneuerbarer Energien wie Wind- oder Solarstrom kommt man an der Energiespeicherung nicht vorbei - zumindest in allen seriösen Diskussionen. Nachtspeicheröfen können Strom speichern, und zwar in Form von Wärme.

Zunächst als Lastausgleich für die permanent laufenden Kohle- und Kernkraftwerke geplant, können sie auch im modernen variablen Stromnetz betrieben werden. Früher sollte ansonsten nicht nutzbarer Grundlaststrom der Großkraftwerke gespeichert werden. Heute würden die fluktuierenden Energiemengen von WInd und Sonne gespeichert.

Es muss ja auch kein klassischer Nachtspeicherofen sein, es kann auch eine Heizungsanlage mit mittelgroßem Wärmespeicher sein, der mit billigem "Überschussstrom" auf Temperatur gebracht wird. Wenn die Gebäudestandards den Heizwärmebedarf auf bald vielleicht 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr senken, muss man selbst bei heutigen Tarifen mit gerade einmal 600 Euro Heizstromkosten pro Jahr rechnen (100 Quadratmeter-Haus). Wenn der Speicher mit Überschussstrom gespeist wird, sind es vielleicht nur noch 450 Euro pro Jahr. Und ist der Speicher schon einmal vorhanden, spricht nichts dagegen, ihn auch mit Solarwärme "aufzuladen".

Kühlhäuser als Stromspeicher?

Nein, es geht nicht um Batterien aus Schweinehälften. Es geht darum, dass Kühlhäuser elektrische Energie benötigen, um sie kühl zuhalten. Nun gibt es einen Toleranzbereich, in dem die Temperatur liegen muss. Mit billigem "Überschussstrom" aus Wind und Photovoltaik wird das Kühlhaus an den unteren Rand des Toleranzbereichs abgekühlt. Der sonst nicht nutzbare Windstrom wird vom Kühlhaus "aufgesogen". Damit wird der Bedarf an wertvollem und teurem Grundlaststrom durch das Kühlhaus eingespart. Nur dann, wenn über einen längerem Zeitraum kein "Überschussstrom" bezogen werden kann, muss der teurere Grundlaststrom bezogen werden.

So klingt diese Methode im ersten Moment abwegig - aber in allen Einrichtungen, die mit Strom betrieben werden und eine gewisse Trägheit besitzen, kann der Strombezug und die Nutzung der Einrichtung zeitlich entkoppelt werden. So auch im nächsten Beispiel ...

Autos mit Druck

Autos können mit Druckluft bewegt werden. Druckluft wird mit Kompressoren aus normaler Luft hergestellt. Die Kompressoren werden mit Strom betrieben. Die Druckluft ist also ... gespeicherter Strom! Noch sind solche Fahrzeuge Exoten, die als Prototypen existieren.

Im Gegensatz dazu sind Elektroautos in aller Munde. Aber: Bezahlbare Akkus brauchen teures Lithium und halten noch nicht lange genug. Elektromotoren brauchen Neodym, welches nicht ohne Grund zu den seltenen Erden gehört. Dazu kommt eine hochkomplexe Elektronik, die das Strommanagement "an Bord" verwaltet. Komplexe Technik, um unsere trägen Körper von A nach B zu schaffen, ist anscheinend irgendwie sexy.

Wenn man aber die realen Anforderungen betrachtet: Mobilität von A nach B, kommt man zu einem ganz einfachen Schluss: Das Fahrzeug muss kostengünstig zu betreiben sein. Einfach zu beschaffende Werkstoffe machen den Produzenten unabhängiger von Weltmarktpreisen und helfen dem Kunden, Geld zu sparen. Einfache Technik ist meist zuverlässiger und lässt sich immer leichter wieder Instandsetzen. Das druckluftbetriebene Auto erfüllt alle diese Eigenschaften. Aber vielleicht ist es "zu einfach" für den heutigen Markt?!

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ein Kommentar

Noch eine Anmerkung zum Thema PKW : was hat es mit dem sogenannten Wasserdiesel auf sich? Ich habe diverse Quellen im Internet gefunden, die dieses Prinzip als funktionsfähig darstellen. Andere wiederum verweisen auf Probleme mit modernen Einspritzanlagen.
Auch um Fahrzeuge mit P-Öl ist es ein bisschen still geworden. Vom Stirling-Antrieb ganz zu schweigen….man müsste die Industrie viel mehr antreiben, auch diese vermeintlichen Nischen weiterzuentwickeln, finde ich.

13- April 2010: Anmerkung von Michael Bockhorst (energieinfo.de):
Der Wasserdiesel scheint nicht so sparsam zu sein, wie erwartet: bestenfalls 5 Prozent statt 7-8 Prozent. Die Abgaswerte lassen sich durch aktuelle Motoren und Filter auch ohne den Wasserzusatz erreichen.
Bei der zusätzlichen Wassereinspritzung ist man bisher den Weg gegangen, Diesel und Wasser durch “Vermittlerstoffe”, sogenannte Emulgatoren, zu vermischen. Entweder funktioniert dies nicht gut genug oder die Emulgatoren machen positive Wirkungen des Wassers zunichte. Denkbar wäre eine zusätzliche Einspritzung von Wasser über ein Düsensystem – aber damit wäre der Motor wieder deutlich komplexer.
Mit einem Punkt haben Sie 100%ig recht: Die Nischen müssten stärker ausgelotet werden – denn in so mancher Nische findet sich ein Schatz. Der Stirling-Antrieb ist als Fahrzeug-Antrieb nicht so gut geeignet, weil er die schnellen und hohen Leistungsvariationen, die nötig sind nicht mitmacht. Aber in einem Hybrid-Konzept könnte der Stirling punkten: Im optimalen Effizienzbereich als Generatorantrieb – kleiner Akku – 2 oder 4 Naben-Elektromotoren … man sollte es mal ausprobieren!
Da wären neue Forschungskonzepte hilfreich: Staatlich geförderte, über Lizenzerlös zufinanzierte Forschungszentren, die den Rahmen für solche Forschungsarbeiten schaffen!
Richard F (E-Mail) (URL) - Donnerstag, 08. April 2010


 

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