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System Erde: Ölpest am Golf von Mexiko

Copyright by Michael Bockhorst Freitag, 11. Juni 2010
Der unkontrollierte und offensichtlich unkontrollierbare Austritt von Erdöl im Golf von Mexiko verdeutlicht einmal mehr die Risiken bei der Nutzung fossiler Brennstoffe. Neue Schätzungen ergeben, dass sehr große Mengen an Öl sind ausgetreten sind.

Katastrophenbewältigung inadäquat

Nach fast 60 Tagen ist der Ölaustritt aus dem leckenden Bohrlochabschluss der ehemaligen Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" immer noch nicht deutlich eingedämmt worden.

Knappe Produktionskapazitäten von Erdöl, eine Entwicklung der letzten 2 Jahrzehnte, führen dazu, alle Möglichkeiten zu nutzen, an diesen Energie- und Chemierohstoff heranzukommen. Dabei werden Ölquellen unter extremen Umweltbedingungen erschlossen. Auch in 1500 Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel.

Die Bedingungen in dieser Tiefe sind so lebensfeindlich, dass praktisch ausschließlich ferngesteuerte Systeme eingesetzt werden. Menschen können nicht in die Nähe dieser "Baustellen" gebracht werden. Damit ist an diesen Standorten keine direkte Kontrolle und Manipulation von Ölbohrungen möglich.

Die Situation ist zudem vergleichbar mit einer Chemiefabrik, in der hochentzündliche Chemikalien verarbeitet werden, die aber keine Feuerlöscher und keine Werksfeuerwehr hat: Offensichtlich ist man in der Lage, Bohrungen nach Öl durchzuführen und das Öl im Normalfall auch zu fördern. Einen Plan B für den Katastrophenschutz an der Quelle gibt es nicht.

Dabei sind alle in der Verantwortung: Unternehmen, die nach Öl bohren. Regierungen, die die Rahmenbedingungen für die Genehmigung dieser Projekte setzen und deren Einhaltung kontrollieren. Alle Nutzer der Erdölprodukte, die durch ihre Nachfrage auch das Angebot an diesen Produkten verursachen.

Größtes Fragezeichen: Wieviel Öl?

Die wichtigste Bekannte wäre die Menge an Erdöl, die tatsächlich ausläuft und ihre Wirkungen im Golf von Mexiko tätigen kann. Sie ist aber in der Realität die größte Unbekannte. Wie bereits erwähnt: Eine direkte Beobachtung an den Leckagen ist nicht möglich. Die Ölmengen werden daher anhand von Videoaufnahmen abgeschätzt. Dazu kommen Daten, die aus der Beobachtung des Ölteppichs gewonnen werden. Ergänzt werden diese Beobachtungen durch Modelle, die den Anteil des nicht auftauchenden Öls und die Ausbreitung des aus dem Leck strömenden Öls berücksichtigen.

Nach aktuellen Erkenntnissen muss mit 170 Millionen Litern (20.4. - 10.6.2010) gerechnet werden. Siehe dazu auch die untenstehende Grafik.

Mexiko Oelaustritt Deepwater horizon

 

Die Entlastungsbohrungen, aus denen Öl abgeleitet werden soll, bevor es aus dem Leck fließen kann, werden voraussichtlich erst Ende August fertiggestellt und funktionsfähig sein. Damit kann abgeschätzt werden, dass die Menge des freigesetzten Öls sich noch etwa verdoppeln wird.

Quellen im Web:

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