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Energie: Laufzeitverlängerung - die unselige Diskussion mit Emotionen statt Fakten

Copyright by Michael Bockhorst Freitag, 11. Juni 2010
Viele Behauptungen, wenige Argumente - so machen Bundestagsdebatten keinen Spaß.

Wir brauchen keine Grundlastkraftwerke, die führen zur Überproduktion, weshalb Windräder stillstehen!


Grundlastkraftwerke sind solche Kraftwerke, die nur dauerhafte Abnehmer versorgen können. Dies liegt daran, dass sie nicht beliebig ein und ausgeschaltet werden können, weil sie zu träge sind. In einem sinnvollen Anteil können sie aber dafür sorgen, dass Kühlschränke, Heizungsanlagen, Klimaanlagen, Computer, Produktionsstraßen, Schienenverkehr zuverlässig mit Strom versorgt werden können.

Bei hohem Windaufkommen werden Windräder abgeschaltet. Fehlt aber der Wind, können sie nicht beliebig eingeschaltet werden. Eine rein windbasierte Stromversorgung würde zu einer Unterversorgung führen, wenn großflächig wenig Wind weht. Schon ein zu großer Anteil erneuerbarer Energien wie Windstrom und Solarstrom können zu zeitlichen Engpässen führen, solange keine Stromspeicher in ausreichendem Maß vorhanden sind.

Erneuerbare Energien werden durch eine Laufzeitverlängerung vereitelt!


Wenn Kernkraftwerke im Rahmen des Atomausstiegs abgeschaltet werden und gleichzeitig alle Neubauprojekte von Kohlekraftwerken gestoppt werden, entsteht eine Versorgungslücke im Grundlastbereich.

Aufgrund der heute nicht verfügbaren Speichertechnik für große Strommengen können heutige erneuerbare Energietechniken keine durchgehende Deckung des Strombedarfs ermöglichen.

Alternativ kann Strom importiert werden, aber dann besteht das Problem, dass auch andere genug Strom verkaufen können müssen und die Übertragungsnetze massiv ausgebaut werden müssten.

Unter dem Strich sind beide Entwicklungen möglich, aber nur dann, wenn politisch konsequent gehandelt wird:

  • Werden existierende Kernkraftwerke, alle Neubauprojekte von Kohlekraftwerken gestoppt und der Stromimport (von Kern- und Kohlestrom) gesperrt, entsteht definitiv eine Versorgungslücke. Diese muss gefüllt werden. Dann müssten alternative Methoden gefunden werden. Der Ersatz von etwa 40 Gigawatt mittlerer Kraftwerkskapazität entspricht Investitionen von ca. 400 Milliarden Euro für Ersatzkraftwerke (Photovoltaik, Wind, Biomasse) und die notwendigen Stromtransport- und Stromspeicher-Einrichtungen.
  • Wird eine Brennelemente-Steuer eingeführt, könnten wirtschaftlich und vergleichsweise sichere Kernkraftwerke weiterbetrieben werden. Dann fehlt nur noch eine Maßnahme, die Kohlekraftwerke zunehmend unattraktiv für Unternehmen macht. CO2-Emissions-Zertifikate können, wenn sie richtig eingesetzt werden, dazu beitragen.

Erneuerbare Energien tragen zu 16 Prozent bei, das ist eine Verbesserung von einigen Prozent auf eine hohe Zahl!


Das stimmt, aber nur für die Endenergie Strom, nicht für den gesamten Energiebedarf Deutschlands. Der Anteil der Erneuerbaren lag 2008 bei 8.1 Prozent, 2009 bei 8.9 Prozent.

Im Strombereich ist dieser hohe Anteil maßgeblich seit Ende der 1980er, besonders aber durch das Stromeinspeisegesetz von 1991 erzielt worden: Dieses Gesetz hat die Windenergie-Produktion beflügelt, deren Steigerungsraten Ende der 1990er Jahre am höchsten war. Das Stromeinspeisegesetz war auch die Grundlage des heutigen EEG - des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien.

Aus bisherigen Erhöhungen des Anteils erneuerbarer Energien lässt sich jedoch nicht schließen, dass dieser in diesem Maße weitergeführt werden kann. Windreiche Standorte sind bereits knapp, außer in Gebieten vor der Küste. Das größte Problem ist jedoch die zeitlich variable Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenstrom. Besonders Sonnenstrom (Stichwort Photovoltaik) kann an vielen Standorten in großer Menge gewonnen werden. Einzig die Speicherung dieses Stroms verhindert eine deutlich Ausweitung des Photovoltaik-Anteils im Strommix. (3000 Quadratkilometer reichen für die Stromproduktion des deutschen Bedarfs, 350 000 Quadratkilometer ist die Fläche Deutschlands ... aber das Problem der Speicherung!).

Die Brennelementesteuer ist richtig, wenn wir eine Laufzeitverlängerung machen!


Eine Brennelementesteuer ist in jedem Fall sinnvoll, solange die Entsorgung der Kernbrennstoff-Abfälle nicht vollständig durch die Betreiber der Kernkraftwerke finanziert wird.

Dennoch ist die Brennelementesteuer eine gute Verhandlungsposition. Im Rahmen der Verhandlung kann es aus Gründen der Wirtschaftlichkeit durchaus dazu kommen, dass veraltete Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

Bei einer zielgerichteten Verwendung der Brennelementesteuer für die Forschungsfinanzierung im Bereich Erneuerbare Energien oder besser im Bereich der Stromspeicher-Technologien kann der Druck sogar erhöht werden, Kernkraftwerke früher (nach dem derzeit geplanten Zeitpunkt, aber vor den bisher wirtschaftlich scheinenden Terminen) abzuschalten.

Kernkraftwerksbetreiber könnten also zu dem Schluss kommen, dass es lukrativ ist, sich stärker im Bereich der Erneuerbaren Energien/Stromspeichertechnologie zu engagieren.
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