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Energie: Höhere Benzinpreise wegen ausgesetzter Tiefseebohrungen?

Copyright by Michael Bockhorst Dienstag, 15. Juni 2010
Nicht unbedingt - es gibt verschiedenste Ölvorkommen und Ersatztreibstoffe, die als Alternative verwendet werden können. Ob diese Alternative aber besser ist, ist fraglich.

Alternative 1: Ölsande

Ölsande, wie sie z.B. in Kanada ausgebeutet werden, liefern Öl zu einem Preis von 40 - 50 Dollar. Ihre Gewinnung ist daher lukrativ. Ölproduzenten werden dafür sorgen, dass die Verkaufspreise nicht weit über 100 Dollar steigen. Ein solcher Ölpreis würde die Ölnachfrage massiv dämpfen.

Ein sehr hoher Ölpreis birgt noch ein weiteres Problem: Alle werden alles daransetzen, Alternativen zu entwickeln, die ohne Öl auskommen. Dann ließe sich Öl fast gar nicht mehr verkaufen - außer als materieller Rohstoff für die chemische Industrie. Der Anteil des dafür eingesetzten Rohöls liegt aber bei gerade einmal weniger als 10 Prozent.

Ob die Alternative Ölsand aber eine echte Alternative zu Tiefseebohrungen ist, bleibt offen. Die Landschaftsveränderung durch die im Tagebau gewonnenen Ölsande ist massiv. Zudem werden bei der Förderung und bei der Abtrennung des Sandes viele Chemikalien freigesetzt, die negative Auswirkungen auf die Umwelt haben können.

Alternative 2: Biomasse

Biomasse galt noch vor nicht einmal 10 Jahren als Hoffnungsträger vieler Umweltschützer, auch grüner Parteien. Inzwischen hat man jedoch weitgehend verstanden, dass Biomasse, spezieller Biokraftstoffe gravierene Nachteile haben.

Biomasseanbau für die Nutzung als Energieträger steht immer dann in Konkurrenz, wenn die Landflächen für den Nahrungsanbau knapp sind. Dann heißt es Ölersatz oder Nahrung. Dazu kommen weitere Probleme wie etwa die Vernichtung von Lebensräumen mit hoher Biodiversität für die Schaffung von monokulturellen Anbauflächen für Energiepflanzen. Oder die Degeneration der Böden durch Monokulturen.

Alternative 3: Strom statt Öl

Elektromobilität ist das große Thema in der Sparte "Auto". Der Elektromoblität als der Zukunft der landgebundenen Fortbewegung liegt nur noch ein Stein im Weg: Wie führe ich ausreichende Mengen an Strom mit?

Lithium ist das Zauberwort der Akku-Hersteller. Aber Lithium ist knapp. Vielleicht noch nicht, wenn jährlich 10000 Elektroautos verkauft werden. Wenn aber mehrere hundert Millionen Pkw mit großen Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet werden sollen, sollten NASA und ESA Sonden bauen, die Lithium auf der Erde und auf den benachbarten Planeten aufspüren können. Wahrscheinlich wird man auch noch eine Raumflotte benötigen, die dann das begehrte Rohmaterial für die Batterien zur Erde bringt!

Die Haltbarkeit der heutigen Lithium-Ionen-Batterien ist ihr zweiter Pferdefuß. Batterien für Elektrofahrzeuge müssen nur 3000 Stunden halten. Dabei werden sie aber vielfach ge- und entladen, bei stark schwankenden Stromflüssen. Das macht auch die härteste Batterie nicht so lange mit ... oder sie ist so aufwendig herzustellen, dass sie nicht mehr bezahlbar ist.

Hier ist viel kreative Wissenschaft und Ingenieurskunst vonnöten. Aber ein Weg zu einer kostengünstigen Batterie, die ohne seltene Rohstoffe und aufwendige Herstellungsprozesse auskommt, dabei aber ausreichend lange hält, ist hart. Aber er ist auch lohnend.

Ausweichmanöver stabilisieren Preise

Preise werden durch eine Vielzahl von Faktoren gebildet. Wenn ein Gut, etwa das Erdöl, knapper wird, wird es zunächst etwas teurer. Aber dann haben Konkurrenzprodukte eine Chance, dem Erdöl(produkt)verkäufer Marktanteile abzujagen und dessen Profit zu schmälern. Dann geht der Erdöl(produkt)preis wieder etwas herunter.

Und last but not least: Wenn Erdöl und seine Produkte teurer werden, wird gespart! Damit erwirtschaften andere Wirtschaftszweige mehr Geld. Wenn heimische Autos mit vernünftigen Anschaffungskosten den Benzinverbrauch halbieren, z.B. von 6 auf 3 Liter, hat dies zwei Vorteile: Die Benzinkosten pro Kilometer sinken bei gleichem Benzinpreis auf die Hälfte! Die Nachfrage nach Benzin sinkt, damit sollte es auch der Benzinpreis tun. Und, das wird meist nicht berücksichtigt, Arbeitsplätze können im eigenen Land oder der eigenen Wirtschaftsregion entstehen. Sozialkosten sinken usw.

Die Prognose "Tiefseebohrungen werden wohl ausgesetzt, der Benzinpreis wird steigen" ist eine Vereinfachung, die so wahrscheinlich noch nicht einmal gilt. Im Allgemeinen werden solche Aussagen auch etwas anders formuliert: "Die Tiefseebohrungen werden wohl ausgesetzt, daher werden die Benzinpreise wahrscheinlich steigen, wenn nicht andere Faktoren ...". Genau das, die anderen Faktoren. Wer kennt sie schon?

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