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Energie: Ölkatastrophe im Golf: Die technische Dimension

Copyright by Michael Bockhorst Dienstag, 22. Juni 2010
Das "Phänomen" Tiefseebohrung ist nur schwer zu verstehen. 1500 Meter unter der Meeresoberfläche - das sind zunächst nur Zahlen. Eine Grafik kann aber helfen, die Situation zu verdeutlichen.

Was passiert derzeit am Golf von Mexiko?

Einerseits wird das Öl, welches durch das defekte Sicherheitsventil austritt, teilweise abgesaugt. Dieses Öl wird zum Teil in einem Tanker gesammel, zu einem anderen Teil abgefackelt, um es unschädlich zu machen. Das Verfahren wird TOP HAT genannt: Ein "Hut", der über den Ölaustrittsort gesetzt wurde und mit einer Absaugleitung versehen ist.

Gleichzeitig werden seit mehreren Wochen Bohrungen vorangetrieben, über die das Öl umgeleitet werden soll. Diese Bohrungen sollen das derzeitige Bohrloch treffen. In einer Tiefe von gut 4000 Metern unter dem Meeresboden. Es geht also darum, mit einem fast 6000 Meter langen Bohrer unter der Erde ein Loch zu treffen, was weniger als 1 Meter Durchmesser besitzt. Oder in begreifbaren Zahlen: Sie müssen ohne Sichtverbindung mit einem 6 Meter langen Bohrer ein 1 Millimeter großes Objekt treffen!

Die Tiefe der Bohrung und die herausfordernden Bedingungen machen klar, dass dieses Unterfangen nicht einfach ist. Die weiter unten abgebildete Grafik stellt dies noch einmal maßstäblich dar. Die Informationen zu den Schiffsgrößen und den Bohrtiefen wurden Grafiken auf der Website des Ölkonzerns BP entnommen. Als Vergleichsmaßstab finden Sie den Eifelturm auf dem Meeresgrund und, als grünes Rechteck angedeutet, ein Fußballfeld. Der Eifelturm ist bis zur Spitze etwa 324 Meter hoch, das Fußballfeld hat eine Ausdehnung von ca. 60 x 100 Metern.

Wozu die Entlastungsbohrungen?

Einerseits sollen sie Öl abzweigen, um den Ölaustritt durch das Hauptbohrloch zu verringern. Dadurch kann es aber auch einfacher werden, den Blow-Out-Preventer (BOP, das Sicherheitsventil) endlich von oben zu verschließen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, durch die Entlastungsbohrungen Material in das aufsteigende Hauptbohrloch einzubringen, welches dieses dauerhaft verschließt. Dazu würden Schlamm und Gestein in das Hauptbohrloch von unten hineingedrückt, die den Ölfluss verringern. Dann kann Beton nachgefüllt werden, der sich dann auf eine Länge von etwa 3000 Metern verfestigen kann. Dieses Verfahren wird BOTTOM KILL genannt - das Bohrloch wird von der Unterseite geschlossen, der Fluss "gekillt".

Der erste Versuch, mit Schlamm das Bohrloch zu verschließen, fand am BOP (Sicherheitsventil) selbst statt. Dort wirde Material am unteren Ende des BOP hineingedrückt. Dieses hätte auf einer Wegstrecke von nur etwa 10 Metern die Chance gehabt, das Bohrloch zu verstopfen. Dies ist nicht gelungen. Dieses Verfahren wird TOP KILL genannt - das Bohrloch soll an seinem oberen Ende geschlossen werden.

Versuch einer Visualisierung:

Deep Water Horizon / Recovery / Versuch einer maßstäblichen Visualisierung

Quellen im WWW

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