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Energie: TOP HAT 10 - mindestens ein Teilerfolg (Ölkatastrophe im Golf)

Copyright by Michael Bockhorst Montag, 19. Juli 2010
Nach TOP HAT 2 jetzt TOP HAT 10 - endlich ist die Leitung aus dem Bohloch dicht. Die offene Frage: Bedeutet dies, dass wirklich kein Öl mehr in den Golf gelangt?

TOP HAT 10 ist kein Trichter!

TOP HAT 10 ist eine Einrichtung, die mehrere Ventile in Serie besitzt. Dies bedeutet, dass jedes weitere Ventil eine Barriere für den Ölstrom darstellt.

Um eine solche Ventil-Anordnung wirklich dicht zu bekommen, musste der TOP HAT 10 fest an das Steigrohr desdefekten Blow Out Preventer (BOP) angekoppelt werden. Der "alte" TOP HAT 2 war mit einer aufblasbaren Gummi-Ringdichtung an den abgesägten Rohrstutzen angekoppelt worden - eine Verbindung die eine geringere Druckbelastung aushält, weshalb das Öl abgesaugt werden musste.

Zur Montage des TOP HAT 10 wurde der Rohrstutzen, an dem der bisherige einfache TOP HAT 2 angesetzt war, abgeschraubt und TOP HAT 10 mit dem Rohstutzen des BOP fest verbunden. Die Ventile des TOP HAT 10 mussten während der Montage offen bleiben, da nur so die Verbindung der beiden Rohrstutzen verschraubt werden konnte. Danach wurden die Ventile vorsichtig geschlossen, um den Ölfluss zu stoppen. Dies ist auch gelungen.

Warum vielleicht nur ein Teilerfolg?

Nach derzeitigem Stand ist das Bohrloch an seinem Förderrohr dicht verschlossen.

Allerdings zeigen Druckmessungen etwas niedriger Werte, als erwartet an. Wenn eine Leitung verschlossen wird, sich aber der Druck nicht wie erwartet aufbaut, kann dies an weiteren Lecks liegen, die z.B. seitlich des Bohrkanals auftreten.

Nun muss untersucht werden, worin die Ursache der etwas geringeren Werte für den Druck liegt. Neben einem Leck kommen auch weitere Ursachen in Frage:

  • Durch die große Menge an Öl (inclusive Methangas), die aus dem Ölfeld entwichen ist, ist der Innendruck des Ölvorkommensgesunken.
  • Erdöl ist ein Gemisch verschiedenster Substanzen, die unterschiedliche physikalische Eigenschaften besitzen und dadurch auch unerwartete Eigenschaften aufweisen.

Operation BOTTOM KILL - die sichere Variante

BOTTOM KILL steht für ein Verstopfen des Bohrlochs "von unten". Dazu werden seit Mai 2010 zwei Bohrungen vorangetrieben. Beide Bohrkanäle reichen derzeit bis ca. 1 Meter vor das Bohrloch  - allerdings in etwa 5000 Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel (=3500 Meter unter dem Meeresgrund).

Diese Methode verstopft das Bohrloch durch das Einleiten von Schlamm etc. in das Bohrloch von unten (daher der Name). Der Schlamm verstopft das Loch und verlangsamt den Ölfluss deutlich. Danach wird flüssiger Beton von unten in den Kanal eingeleitet, welcher auf dem Weg nach oben abbindet und damit als zuverlässiger Pfropf den Förderkanal verstopft.

Der Name Entlastungsbohrung stammt von der anderweitigen Nutzbarkeit solcher Bohrungen: Abfuhr des Öls durch einen weiteren Kanal, um den Druck auf einem defekten Förderrohr zu vermindern und ggf. Abdichtungsmaßnahmen durchführen zu können. TOP HAT 10 ist in dieser Hinsicht ein voller Erfolg: Das Hauptleck ist dicht und die seitlichen Entlastungsbohrungen dienen nun dazu, das Bohrloch endgültig zu verschließen.

BOTTOM KILL verhindert durch einen tiefen Verschluss des Bohrlochs auch, dass Öl neben dem Bohrloch austritt.

Das gleichzeitige  Vorgehen mit 2 Entlastungsbohrungen dient im übrigen dazu, die Zuverlässigkeit der Maßnahmen zu verbessern: Falls eine Bohrung scheitert, steht noch ein zweiter Zugang zur Verfügung. Dies ist eine Maßnahme der Redundanz.

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