Spontan stellt man sich die Frage, wie die Stromknappheit in einem der modernsten Staaten dieser Welt zu erklären ist.
Der eine Grund ist die Liberalisierung des Strommarktes in Kalifornien,
die offensichtlich dazu geführt hat, dass die Unternehmen nicht mehr
in neue Kraftwerke und verbesserte Infrastruktur zur Stromverteilung
investiert haben, sich vielmehr um ihr Bestehen neben anderen, konkurrierenden
Unternehmen kümmern mussten.
Ein weiter Grund ist der offensichtlich gestiegene und weiterhin steigende
Strombedarf des amerkanischen Bundesstaates - zu einem bedeutenden Anteil
verursacht durch eine zunehmende Produktion und Benutzung von elektronischen
Geräten, vornehmlich Computern, in zunehmendem Maße auch Minicomputern
und Kommunikationsgeräten, etwa Palmtops oder Handys. Dabei sind es
oftmals nicht die Endgeräte, die wir als Verbraucher in der Hand halten,
sondern die Infrastruktur, bei Handys die Antennen, die auch in Deutschland
in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Diese
Infrastruktur muss hergestellt und vor allem permanent mit Strom
versorgt werden.
Zum Dritten ist eine Obergrenze des Endkundenpreises für Strom
von der kalifornischen Bundesregierung festgesetzt worden, die Unternehmen
könnten die notwendigen Investitionen für eine Renovierung und die
Neuausstattung ihrer Elektrizitätsversorgung nicht mehr umlegen.
In diesem Spannungsfeld zwischen Liberalisierung des Strommarktes, steigendem
Stromverbrauch und staatlicher Regelung sind die selbstregulierenden
Kräfte des Marktes außer Kraft gesetzt worden, ein Klima ist
geschaffen worden, in dem keine Investitionen mehr getätigt werden
können.
Nun werden zu Zeiten, an denen der Stromverbrauch besonders hoch ist,
Teile Kaliforniens äbgeschaltet", um die Spitzenlast im Stromnetz
zu reduzieren. Die Menschen sitzen im "Dunkeln", Firmen sind nicht
mehr arbeitsfähig, teilweise sind die Schäden und Folgen durch das
plötzliche Fehlen des Lebenselixiers Strom so groß, dass einige
Unternehmen laut darüber nachdenken, ihren Standort in eine Gegend mit
sicherer Stromversorgung zu legen.
Nun, Grund zum Lachen? Mitnichten. Auch in Deutschland ist der
Strommarkt in den letzten Jahren liberalisiert worden, schon werden
Regelungen und Gesetze für ein Importverbot von Kernenergie-Strom aus unseren
östlichen Nachbarländern laut diskutiert. Vielleicht werden wir in
einigen Jahren mit Sehnsucht an die Zeiten zurückdenken, in denen man sich
auf Strom aus der Steckdose so verlassen konnte, wie auf die Tatsache,
dass die Zeit nicht rückwärts läuft!
Und wer denkt schon darüber nach, dass in Deutschland ein Kraftwerkspark
steht, der 250 Milliarden Mark gekostet hat, dazu kommen Kosten in
mindestens gleicher
Höhe für die aufwendige Infrastruktur zum Transport des Stroms aus
hunderten von Kraftwerken zu zehntausenden von Unternehmen, Behörden
Transportdienstleistern und vor allem zu den etwa 35 Millionen Haushalten!
Dies sollte zu Denken geben, dass Politik, Wirtschaft und Verbraucher dafür
sorgen, dass unsere Stromversorgung auch langfristig zuverlässig bleibt,
gesichert ist.
Politik muss die soziale Komponente in die Elektrizitätsversorgung
einbauen, Wirtschaft und Verbraucher müssen für ein faires "Markttreiben"
sorgen. Unsere Rolle, die der Verbraucher, kann durch kluge Kaufentscheidungen
- etwa für Haushaltsgeräte mit geringem Strom- oder geringem
Stand-By-Verbrauch
- eine Wesentliche sein: Märkte richten sich in hohem Maße nach dem,
was Verbraucher anfragen, kaufen. Und ein kluger Umgang mit Energie,
der darauf bedacht ist, unnötigen Energieverbrauch zu
vermeiden, verursacht ein großes Einsparpotential!
Die Belohnung wäre wohl eine Elektrizitätsversorgung auf niedrigem
Niveau: Ein kleinerer, billiger instandzuhaltender Kraftwerkspark,
weniger Schadstoff-Emissionen und - was uns Verbraucher schließlich
zusätzlich erfreut, dies alles bei geringeren Stromkosten.