Nach einer Meldung des Spiegels vom heutigen Tag wurden die Mittel für "Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien" auf lediglich 74 Millionen Euro gegenüber der beantragten Summe von etwa 107.4 Millionen Euro gekürzt.
Im Hinblick auf das stagnierende Wirtschaftswachstum Deutschlands und die essentielle Bedeutung erneuerbarer Energien - nicht nur für die Umwelt, sondern auch für eine zukünftige Wirtschaft - eine vollkommen unverständliche Entscheidung.
Auch wenn es andere
Unterstützungs- und Fördermaßnahmen gibt, ist doch eine
unabhängige Forschung und Entwicklung, die nicht unmittelbar im
Hinblick auf wirtschaftliche Verwertbarkeit arbeitet, unabdingbar:
Nur so kann erreicht werden, dass zunächst unwirtschaftlich
erscheinende Wege beschritten werden, aus denen sich dann unter
entsprechenden wirtschaftlichen oder politischen Umständen
wirtschaftliche Lösungen ergeben.
Ein Beispiel ist die Euphorie um die Brennstoffzelle als
Energiewandler für den Betrieb von Elektroautos. Ein mit
Brennstoffzellen ausgestattetes Fahrzeug, welches sinnvollerweise mit
Methanol als Kraftstoff betrieben wird, ist ein komplexes Gebilde mit
einer kleinen chemischen Fabrik an Bord, die Wasserstoff aus Methanol
erzeugt, einer Brennstoffzelle, die den Strom erzeugt und
wahrscheinlich 2 oder 4 elektrischen Antriebsmotoren, alles gesteuert
und verwaltet von einer computergestützten Prozessanlage. Erst
bei einem Einsatz von Direkt-Methanol-Brennstoffzellen wäre eine
handhabbare Komplexität erreicht. Über eine flächendeckende
Versorgung mit Methanol als Brennstoff wird gar nicht erst laut
diskutiert.
Ein alternativer Antrieb ist die Zero Emission Engine eines
mittelständischen Unternehmens in Berlin, der IAV bzw. der TEA GmbH,
die mit vielen
Brennstoffen betrieben werden kann, diese dabei nahezu emissionsfrei
verbrennt. Zudem zeichnet sich ab, dass die Fahreigenschaften sowie
Abmessungen und Leistungsgewicht wie auch der Wirkungsgrad einem
Dieselmotor sehr nahe kommen dürften - und das, obwohl dieser Motor
bisher erst als Prototyp stationär getestet werden konnte.
Ein solches Motorkonzept würde zumindest als Zwischenlösung zwischen
Otto- und Dieselmoter bzw. Brennstoffzellen-Antrieben dienen, da es
sowohl Benzin, Dieselkraftstoff oder aber Methanol, Methan oder Wasserstoff
nutzen könnte - sicher ein förderungswürdiges Konzept!
Forschung ist kein billiges Geschäft, selbst wenn die Gehälter nicht gerade sehr lukrativ sind. Ein typisches Wissenschaftlergehalt kostet den Arbeitgeber etwa 60000 Euro pro Jahr. Eine gute Infrastruktur mit Werkstätten, Verwaltung und Forschungsmaterial, also Laborausstattung und Verbrauchsmaterial verschlingt gerne 150000 Euro pro Jahr und Wissenschaftler-Arbeitsplatz! Somit kann der besagte Etat etwa 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Brot und vor allem Arbeit halten.
Aber gerade erneuerbare Energien verlangen eine sehr breit angelegte Forschung und Entwicklung, denn keine einzelne der Erneuerbaren ist die allseeligmachende. Vielmehr wird ein buntes Spektrum an Möglichkeiten der Energiegewinnung und der Effizienzsteigerung benötigt, will man den steigenden Umweltbelastungen und der drohenden Verknappung fossiler Brennstoffe entgegentreten. So werden Windenergie, Solarthermie, Geothermie, Biomassenutzung, Brennstoffzellentechnik, Recyclingtechnologien, Photovoltaik, Haustechnik, Logistik-Systeme, Siedlungsstrukturen usw. in Gleichberechtigung eine Rolle spielen müssen, die aufsteigenden Probleme zu lösen.
Kann dies mit 350 forschenden Menschen erreicht werden? Wohl kaum, selbst
5000 wissenschaftlich Arbeitende wären zu wenige, um dieser Zukunftsaufgabe
mit Vorlaufzeiten eines oder einiger Jahrzehnte Herr zu werden.
Dazu kommt, dass bei einer umweltfreundlichen Energiegewinnung und -nutzung
auch positive Effekte zu erwarten sind. Bessere Gesundheit hat - neben dem
Wohlbefinden der einzelnen Bürgerinnen und Bürger - zumindest eine
Dämpfung des Kostenzuwachses bei den Krankenkassenbeiträgen zur Folge,
von den Kosteneinsparungen durch verminderte Aufwendungen für den Erhalt
von halbwegs lebensfähigen Ökosystemen ganz zu schweigen.
So bleibt zu hoffen, dass diese Richtung der Politik schnellstmöglich korrigiert wird. Bevor ernsthafte Krisen ein Handeln erzwingen!
Literatur/Quellen