Kategorie: Ressourcen&Umwelt (Buch-Rezension/Buchbesprechung)
Isidor Wallimann, Michael N. Dobkowski [Hrsg.]:
Verlag: Verlag Paul Haupt, Bern Stuttgart Wien, 2003 |
Wenn auch die Dürre in Europa wahrscheinlich nicht dazu führen wird, daß Menschen in Europa hungern müssen, so führt sie indirekt zu einer Verknappung des Angebots von Lebensmitteln und damit höheren Preisen verschiedener Produkte. Damit wird der Teil des Einkommens, der für andere Dinge eingesetzt werden kann, verringert. Aber die Dürre führt auch zu Engpässen bei der Stromversorgung, weil mehr Strom für Klimaanlagen benötigt wird, jedoch weniger Kapazitäten bei den Wasserkraftwerken abgerufen werden können. Der Transport auf den Flüssen wird erschwert, die Transportkapazitäten werden knapp.
In dem vorliegenden Buch "Das Zeitalter der Knappheit" kommen Autorinnen und Autoren zu Wort, die dieses Thema in 11 Artikeln offen behandeln. Die Herausgeber Isidor Wallimann und Michael Dobkowski haben es geschafft, aus diesen einzelnen Artikeln ein homogen lesbares Werk zusammenzufügen. Durch die klare Sprache, die allen Beiträgen gemein ist, läßt sich das Buch angenehm lesen, eröffnet dabei unangenehme Wahrheiten über unsere Welt: Trotz allen Überflusses sind wir von Knappheit umgeben, sind es Menschen in fernen Ländern, die kaum zu Essen oder zu Trinken haben, ist es die soziale Armut in unseren Ländern selbst. Der zunehmende Verbrauch der Ressourcen - Energie, Land, etc. - wird auch uns in absehbaren Zeiträumen von einigen bis vielen Jahrzehnten materielle Knappheiten bringen.
In Teil 1 - "Das Grundproblem" - wird die Struktur moderner Industriegesellschaften, die in einem starken Globalisierungs-Drang verankert sind, untersucht. Der Zusammenbruch unserer globalen Industriegesellschaft nach dem derzeitigen Muster wird als unvermeidlich angesehen.
Teil 2 - "Knappheit und Konflikte" - beschreibt, wie Knappheit und Konflikte zueinander in Beziehung stehen. Das Phänomen der Knappheit wird dazu unter biologisch-physikalischen, unter ökonomischen, unter evolutionsbiologischen, politischen und sozialen Aspekten untersucht.
Teil 3 - "Fallstudien über Knappheit und Massensterben" - widmet sich dem Phänomen des Völkermordes, das sich bei den in der Zukunft vermehrt zu erwartenden Knappheiten von Ressourcen voraussichtlich ausweiten wird.
"Das Zeitalter der Knappheit" ist ein Buch welches die Probleme einer gnadenlos durchgeführten Globalisierung der Wirtschaft beschreibt und kritisiert. Die heutigen Industriegesellschaften basieren durchgehend auf der Maxime des bedingungslosen Wachstums. Dieses bedingungslose Wachstum wird mit der Begrenztheit der Ressourcen - ob dies Land, Fischereigründe oder Energievorräte sind - kollidieren. In der aktuellen Tagespolitik Deutschlands werden diese Themen nicht angesprochen, obwohl Deutschland in den Bereichen erneuerbare Energien oder Umweltschutz sicher recht fortschrittlich ist. Im Gegenteil: Finanzminister, Wirtschaftsminister und Kanzler hoffen inbrünstig auf ein höheres Wirtschaftswachstum, mehr Konsum usw. All dies bedeutet jedoch ein "noch mehr" an Ressourcen-Verbrauch, was uns nur noch schneller zu einem Punkt bringt, an dem die Knappheit der Ressourcen zu dramatischen Verwerfungen innerhalb von und zwischen Gesellschaften führen wird. Um so wichtiger ist es, daß die Autorin und die Autoren des vorliegenden Buches sich dieser Themen, ihre in Jahren oder Jahrzehnten geformten Gedanken niederlegen. Auf der einen Seite lassen die Artikel nichts Gutes ahnen, weil Sie die Gefahren, mehr noch die konkrete Bedrohung durch diese Gefahren schildern. Aber, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern, stellen die Autoren in aller Nüchternheit einen Abschnitt mit dem Titel "Wege aus der Krise" an das Ende ihrer Analysen. Sie beschränken sich nicht auf die Analyse eines Ist-Zustandes, sondern sie wollen Möglichkeiten aufzeigen, wie Knappheiten verhindert werden können, wie eine globalisierte Wirtschaft modifiziert werden kann, damit sie Grundsätze der Nachhaltigkeit erfüllt, usw. Das von Isidor Wallimann und Michael N. Dobkowski herausgegebene Buch hebt sich damit in erfreulicher Weise von den vielen Büchern ab, die mit erhobenen Zeigefingern Moral predigen, den änderen" die Schuld zuweisen, aber nicht den kleinsten Vorschlag liefern, wie man es besser machen könnte.
So pessimistisch viele der vorgestellten Prognosen dieses Buches sind, so positiv ist die Tatsache, daß die Autoren Vergangenheit und Gegenwart analysiert und in die Zukunft gedacht haben. Diese Gedanken sind veröffentlicht, nun kann niemand mehr behaupten, man hätte es nicht wissen können ...
Created: 2003-07-21
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Zitierweise:Michael Bockhorst, www.energieinfo.de
