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Kategorie: Ressourcen&Umwelt (Buch-Rezension/Buchbesprechung)

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie [Hrsg.]:
Fair Future - Ein Report des Wuppertal Instituts ; Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit

Verlag: 2005, Verlag C.H. Beck, Muenchen
ISBN: 3406527884
Ausstattung: 278 Seiten, Paperback

"Fair Future" ist ein Report des Wuppertal-Institutes für Klima, Umwelt, Energie, welcher die miteinander verknüpften Themenkomplexe der begrenzten Ressourcen auf unserem Planeten und der globalen Gerechtigkeit der Nutzung dieser Ressourcen behandelt. Die einzelnen Kapitel gehen dabei verschiedenen Fragen nach.

"Gerechtigkeit für Realisten" stellt Wege zu einer globalen Gerechtigkeit auf, die sich deutlich von den Modellen der Gerechtigkeit innerhalb einer Nation unterscheidet. Die Globalisierung vieler Prozesse, etwa des Waren- und des Informationsaustauschs, stellt die Weltgemeinschaft vor vollkommen neue Herausforderungen, dies unter dem Druck der Endlichkeit von Ressourcen aller Art.

Es besteht eine große " Ungleichheit im Umweltraum", d.h., die auf unserem Planeten verfügbaren Ressourcen, seien es Öl, Wasser oder pflanzliche Gene, sind ungleich verteilt, endlich und werden im Allgemeinen nicht von denen genutzt, die diese Ressourcen in ihrem Land vorfinden. Dabei wird der Blick dafür geschäft, dass auch Neben- und Folgewirkung der Gewinnung von Ressourcen in den Entwicklungsländern auftreten, die wir dem Produkt nicht ansehen, der Ehrlichkeit halber ihm aber als "Ökologischen Rucksack" anheften müssen. Die sichtbaren Ungleichheiten sind viel geringer als die real existieren Verwerfungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Die Ungleichheit wird in verschiedenen " Arenen der Aneignung" geschaffen und zementiert, dies vorwiegend unter der Kontrolle der Industrieländer. Der wichtige Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit wird herausgearbeitet.

Welche könnten die "Leitbilder der Gerechtigkeit" sein, die die Gefahren, die sich in einer zunehmend ungerechten Welt immer stärker auftun werden, mildern? Die behandelten Leitbilder sind Menschenrechte, Teilhabegerechtigkeit, Fairhandel und Schadensausgleich.

Was wäre dann ein "Gerechtigkeitsfähiger Wohlstand"? Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist ein ressourcen-leichter Wohlstandsstil, der es den industrialisierten Ländern erlaubt, gleichen Wohlstand bei weniger Verbrauch an Ressourcen zu erhalten. Entwicklungsländer könnten ihrem Namen auch in Zukunft gerecht werden, indem sie sich entwickeln können.

Nachdem derzeitige Probleme aufgezeigt und Ziele beschrieben wurden, behandelt dieses Kapitel, wie "Verträge für Fairness und Ökologie" gestaltet werden und wie sie wirken könnten. Nur so kann das Wachstums-Credo der heutigen Weltwirtschaft durchbrochen werden und Aspekte wie Menschenrechte, Fairness und Umweltverträglichkeit haben eine Chance, in das globale Wirtschaften einzufließen.

"Was taugt Europa?" - Kann Europa ein weltpolitisches Schwergewicht werden, welches das Projekt einer "überlebensfähigen" Zukunft befördert? Dieser Frage geht das letzte Kapitel des Buches nach und sie wird positiv beantwortet: Europa kann kann sich entscheiden, "präventive Kriegsführung" zu betreiben, oder aber "eine Politik der präventiven Gerechtigkeit" zu verfolgen.

Der Report "Fair Future" wurde von einem zwölfköpfigen Autoren-Team geschrieben, zwanzig weitere Mitarbeiter ergänzten das Autoren-Team. Oft verderben viele Köche den Brei, hier ist es jedoch vollkommen anders: Das Buch ist in außerordentlich gutem Stil geschrieben. Trotz der hohen Dichte an Informationen schaffen es die Autoren, eine hohe Detailgenauigkeit mit einer transparenten Darstellung der Zusammenhänge zu verbinden. Viele gut gewählte Beispiele helfen, die Sachverhalte schnell und nachhaltig zu verinnerlichen.

Der Report erhält ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit nicht zuletzt dadurch, dass - sofern vorhanden - alternative Modelle, Wege, Lösungen konsequent miteinander verglichen werden. Damit hebt der Report sich von einer Vielzahl an Werken über diesen Themenkomplex ab, die einen Königsweg vorgaukeln. So werden an einigen Stellen auch Fragen aufgeworfen, statt einfach Antworten zu geben; aber wird dies nicht unserer Situation gerecht? Natürlich, denn genaugenommen haben wir mehr Fragen zu den Problemen der Welt als wir Antworten in Form von Problemlösungen besitzen.

Jeder und jede, dem die Zukunft unserer Erde am Herzen liegt, kann aus diesem Werk lernen, in welche Richtung es gehen muß, damit wir überhaupt eine Zukunft haben. Und wie schnell wir losgehen müssen, ist klar: Es geht für die meisten von uns auch um die persönliche Zukunft!

Autoren: Wolfgang Sachs und Tilman Santarius sowie Dirk Aßmann, Bernd Brouns, Manfred Linz, Stephan Moll, Hermann E. Ott, Andreas Pastowski, Rudolf Petersen, Gerhard Scherhorn, Wolfgang Sterk, Nikolaus Supersberger

Created: 2006-08-27