Kategorie: Energie (Buch-Rezension/Buchbesprechung)
Peter Hennicke:
Verlag: Hirzel |
Neues Denken ist angesagt, um die Weltmacht Energie zu bändigen. Weg von den primärenergie-orientierten Denkschemata zu einer auf Energiedienstleistungen optimierten Vorgehensweise.
"Weltmacht Energie" ist der korrekte Begriff für unseren heutigen Umgang mit Energie. Alle Energienutzung geschieht heute auf eine hochgradig zentralisierte Weise. Niemand produziert sein Heizöl, sein Benzin, sein Erdgas oder seinen Strom selbst. Dies wird auch in den nächsten 50 oder 100 Jahren sicher nicht der Fall sein. Aber wie kann man die Trennung zwischen zentraler Energieversorgungsmacht und den energetischen Bedürfnissen für den konkreten Anwendungszweck aufheben?
Das Denken in Energiedienstleistungen ist ein Schritt in diese Richtung: Hausbesitzer kaufen eine bestimmte Temperatur im Inneren ihres Hauses ein, nicht etwa Erdgas oder Heizöl. Wie die dafür notwendige Wärmeenergie bereitgestellt wird, braucht den Nutzer nicht zu interessieren, aber der Anbieter dieser Dienstleistung wird seinen Profit optimieren und den günstigsten Weg suchen, die Wärme zu erzeugen.
Die Rahmenbedingungen muß aber immer noch der Staat setzen -- dies kann die Wirtschaft alleine nicht. Folgerichtig fordern die Autoren Hennike und Müller eine stärkere Mitbestimmung durch den Staat.
Kleines Manko: Kernenergie wird konsequent als Option verworfen, während die erneuerbaren Energien als die Lösung schlechthin präsentiert werden. Die lösbaren Probleme der Kernenergienutzung oder die heute noch nicht lösbaren Probleme der erneuerbaren Energien werden übergangen.
Will man den Klimawandel an der Wurzel, muß, wie die Autoren am Ende des Buches richtigerweise bemerken, der Kohlendioxid-Ausstoß schnellstmöglich reduziert werden. Kernenergie darf dabei als Option nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Zumindest dann, wenn sie Kohlekraftwerke ersetzt und nicht zur Deckung des Mehrverbrauchs an Strom verwendet wird, dabei eine klare Brückenlösung bis zur Lösung der Energiespeicherung-Problematik bei den erneuerbaren Energien -- besonders Wind und Wasser -- darstellt.
Alles in allem ein lesenswertes und wichtiges Buch zu den drängenden und immer drängenderen Problemen durch unseren zügellosen Umgang mit Energie. Und ein besonderer Bonus: Der Klimawandel wird klar als eine Folge der Struktur unserer heutigen Energieversorgung dargestellt.
Created: 2006-12-09
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Zitierweise:Michael Bockhorst, www.energieinfo.de
