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Bücher -> Energie

Peter Plichta:
Benzin aus Sand - Die Silan-Revolution


Der Verlag im www: Langen Müller, 2002
Der Autor im www: Peter Plichta
ISBN 3-7844-2833-9

Der Autor Peter Plichta öffnet den Blick für eine vollkommen neue Form der Energienutzung, der in der Diskussion um das Thema Energie bisher praktisch keine Rolle gespielt hat. Dabei spielen nicht der Kohlenstoff und seine Wasserstoff-Verbindungen, die Kohlenwasserstoffe eine Rolle, sondern Silizium und seine Wasserstoff-Verbindungen. Kohlenstoff und Silizium haben eine große prinzipielle Gemeinsamkeit; sie sind beide vierwertig, was heißt, daß beide pro Atom vier Einzelbindungen eingehen können. Diese Ähnlichkeit führt dazu, daß die Verbindungen gleiche Strukturen bilden können:

     H                 H            H   H
     |                 |            |   | 
 H - C - H  bzw.  H - Si- H    H - Si- Si- H    usw.
     |                 |            |   |
     H                 H            H   H       

   Methan          Mono-Silan     Di-Silan

Links steht das Methan, in der Mitte die analoge Verbindung Mono-Silan. Jedoch sind die Verbrennungseigenschaften beider Stoffe sehr unterschiedlich. Methan reagiert bei einer Verbrennung an der Luft nur mit dem Luft-Sauerstoff, während die Silane zusätzlich mit dem Luft-Stickstoff reagieren können. Dabei entstehen Wasserdampf und Siliziumnitrid, beide chemisch unbedenklich! Dazu kommt, daß das feste Siliziumnitrid nicht zum Treibhauseffekt beiträgt! Die Eigenschaften niederer Silane - sie bestehen aus einem Rückgrat mit bis zu etwa 5 Silizium-Atomen - sind explosiv und damit denkbar ungeeignet für den Einsatz als normaler Treibstoff.

Peter Plichta räumte durch eigene Forschungsarbeiten Anfang der 70er Jahre mit der gängigen Lehrmeinung auf, daß die explosiven Eigenschaften mit größerwerdender Zahl von Silizium-Atomen zunehmen, im Gegenteil, die höheren Silane sind eher "friedlich". Im Gegensatz zu dem vieldiskutierten und oft propagierten Wasserstoff als Energieträger sind höhere Silane bei Zimmertemperatur in einfachen Tanks lagerfähig und haben eine hohe volumenbezogene Energiedichte, ähnlich den heutigen Treibstoffen Diesel oder Benzin.

Der Autor zeigt auf, wie man neue mögliche Wege aus der aufkeimenden Energiekrise mit diesem neuen potentiellen Treibstoff finden kann; aber auch die Antriebstechnik für Raumfahrzeuge könnte revolutioniert werden ... luftatmende Raumfahrzeuge scheinen in den Bereich der Realisierbarkeit zu rücken. Ob die Lösungsvorschläge von Peter Plichta wirklich technisch und dann auch in großindustriellem Maßstab realisierbar sind, bleibt dahingestellt, aber es muß mindestens versucht werden.

Ein neuer Kandidat für einen Treibstoff ist gefunden, aber die eigentlich spannende Geschichte beginnt: Wie initiiert man teuere Forschungsarbeiten zur Herstellungs-Methode und zur Untersuchung des Treibstoffs, mit denen man die Eigenschaften eines exotischen Treibstoffs zeigen kann, wenn man vorher gezeigt haben muß, daß die Eigenschaften wirklich zutreffen ...?

Das Buch ist auch die Geschichte einer zumindest in diesem Bereich scheuklappen-blinden Forschungslandschaft, die das Abweichen von der Lehrmeinung zu einem unendlichen Kraftakt macht. Die Lektüre dieses Buches kann jedem, der sich mit Forschung befaßt, empfohlen werden - wenn Forschung in eine bestimmte Richtung nur dann begonnen wird, wenn ihr Erfolg absehbar ist, werden unorthodoxe Lösungen schon im Keim erstickt. Aber genau die unorthodoxen Lösungen bieten eine Chance, wirklich neue Wege zu finden!

Gewürzt mit den vielen persönlichen Erfahrungen des Autors in dem Bemühen, seine Ideen zu verwirklichen, ist "Benzin aus Sand" eine spannende Lektüre zum Thema "Energie", aber auch zum wieder aktueller werdenden Politikfeld "Forschung und Entwicklung".

M. Bockhorst (01/2002)


© 1999-2002 by M. Bockhorst